Ärzte Zeitung online, 05.08.2019

Großbritannien

Überweisungen an Onkologen dauern zu lange

Versorgungssituation hat sich laut Expertenbericht in vergangenen Jahren „deutlich“ verschlechtert.

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Daumen runter: Britische Ärzteverbände schlagen wegen der Versorgungssituation in der Onkologie Alarm.

© Robert Kneschke / Fotolia

LONDON. Schulnote „Mangelhaft“: Bei der staatlichen britischen Versorgung von Krebspatienten liegt einiges im Argen. Das sorgt nicht nur bei Onkologen und Patienten im Königreich für Unmut und Sorge.

Wie aus einem Experten-Bericht, der für die Abgeordneten des Unterhauses erstellt wurde, hervorgeht, schafft es lediglich jede vierte lokale Gesundheitsverwaltung, Krebspatienten zeitnah vom Hausarzt zum Spezialisten zu überweisen.

Dies soll laut Guidelines des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) „binnen 62 Tagen“ für solche Krebspatienten geschehen, deren Überweisung vom Hausarzt als „dringlich“ erachtet wird.

Der überwiegend aus allgemeinen Steuermitteln finanzierte NHS funktioniert nach dem Primärarztprinzip. Erste Anlaufstelle für Krebspatienten ist in der Regel der Hausarzt. Dieser überweist dann zum Facharzt, der meist in einer NHS-Klinik arbeitet.

An lange Wartezeiten gewöhnt

Zwar sind lange Wartezeiten nach primärärztlichen Überweisungen im Königreich nichts Neues. Freilich: bei Krebspatienten geht es oftmals buchstäblich um Leben und Tod. Oder wie die Experten, die den Bericht für die Parlamentarier erstellten, schreiben: „Verzögerungen bei Überweisungen schwerkranker Krebspatienten kostet Leben.“

Die Versorgungssituation in der britischen Onkologie hat sich demnach in den vergangenen Jahren „deutlich“ verschlechtert. Dies gelte gleichermaßen für Großstädte wie auch für ländliche Regionen. Die Tatsache, dass selbst Krebspatienten in fortgeschrittenem Stadium nicht zeitnah mit ihrer Therapie beginnen könnten, sei „völlig inakzeptabel“, so Meg Hillier, Vorsitzende des „Commons Public Accounts Committee“ (PAC), für das der Report erstellt wurde.

Während britische Ärzteverbände die Zahlen als „erschreckend“ und „sehr alarmierend“ bezeichneten, stellt sich das Londoner Gesundheitsministerium stur. Die Zahlen seien „nicht repräsentativ“ und „verzerrten“, so eine Sprecherin des Ministeriums. (ast)

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