Ärzte Zeitung, 04.07.2012

Zirkumzision nun im Heimaturlaub?

KÖLN (dpa). Der Berufsverband der niedergelassenen Kinderchirurgen Deutschlands glaubt nicht, dass nach dem Verbot des Landgerichts (LG) Köln wesentlich weniger Kinder beschnitten werden.

"Der soziale Druck ist da doch ganz gewaltig", sagte Verbandssprecher Karl Becker in Köln. Das LG hatte religiöse Beschneidungen als strafbare Körperverletzung eingestuft.

Becker sagte, er könne die Argumentation des Gerichts im Ansatz durchaus nachvollziehen. Aber er befürchte, dass das Kindeswohl durch das Urteil stärker bedroht werde, als vorher.

Viele Familien würden die Beschneidung dann eben beim nächsten Türkei-Besuch vornehmen lassen. Die Kinderchirurgen hätten die rituelle Beschneidung bisher immer als Dienstleistung verstanden.

Fälle, in denen sich Beschnittene später als Erwachsene beschwert hätten, seien ihm nicht bekannt. "Mir fehlt da die Opferposition."

Insgesamt machten die Beschneidungen jedoch nur einen geringen Teil der Arbeit der Kinderchirurgen aus. "Wir wollen jetzt auch nicht wahrgenommen werden als die Beschneider der Nation", sagte Becker.

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