Ärzte Zeitung online, 10.12.2018

Großbritannien

Werden Apotheker nach dem Brexit Medikamente rationieren?

Großbritannien plant vor – für den Fall eines No-Deal- Brexit: In dieser Situation sollen Apotheker in Großbritannien angewiesen werden, Medikamente zu rationieren.

Von Arndt Striegler

Werden Apotheker nach dem Brexit Medikamente rationieren?

Es wird spannend im Brexit-Streit: Bleiben oder icht? Und was sind die Folgen – auch im Gesundheitswesen?

© freshidea / stock.adobe.com

LONDON. Wie am Wochenende aus Regierungskreisen in London bekannt wurde, rechnet die Regierung im Falle eines chaotischen Brexit mit erheblichen Versorgungsengpässen bei der Arzneimittelversorgung.

Sollte das britische Unterhaus den von Premierministerin Theresa May ausgehandelten Brexit-Deal ablehnen und sollte es folglich zu einem No-Deal-Brexit kommen, sollen Apotheker in Großbritannien angewiesen werden, Medikamente zu rationieren.

Außerdem sollen sie „nötigenfalls kleinere Mengen als vom Arzt verordnet“ aushändigen oder gar Rezepte eigenmächtig switchen, indem zum Beispiel anstatt des ärztlich verordneten Arzneimittels ein Generikum ausgehändigt wird.

Die Abstimmung über das Brexit-Abkommen war ursprünglich für Dienstag vorgesehen, am Montag informierte May, dass sie verschoben wird. Ein neuer Termin wurde zunächst nicht genannt.

Der Brexit-Blog

Im Wochenrhythmus schildert Blogger Arndt Striegler, der seit über 30 Jahren auf der Insel lebt, die politischen und kulturellen Folgen des Brexit.

Hier geht's zu allen Beiträgen.

Die Tageszeitung „Times“ berichtete, das Londoner Gesundheitsministerium strebe an, in den kommenden Wochen „zusammen mit den Berufsverbänden von Ärzten und Apothekern ein strenges Sicherheits-Protokoll“ zu formulieren, in dem festgelegt werde, wann der Apotheker eigenmächtig handeln darf und soll.

Großbritannien verlässt am 29. März 2019 nach mehr als 40 Jahren Mitgliedschaft die EU und bislang deutet vieles darauf hin, dass sich London und Brüssel nicht rechtzeitig auf die Formalitäten des Austritts einigen werden. Das macht sowohl der britischen Ärzteschaft und Patienten als auch der pharmazeutischen Industrie Sorgen. Viele Arzneimittelhersteller haben in den vergangenen Monaten Notfallpläne aufgestellt und ihre Lagerhaltung überprüft für den Fall, dass es zum No-Deal-Brexit kommt.

Allgemein wird mit Lieferengpässen bei Medikamenten gerechnet, da zum Beispiel viel befahrene Seehäfen wie Dover überlastet und blockiert sein werden. Es wird sogar die Möglichkeit von eigenen Medikamenten-Luftbrücken aus der EU ins Königreich debattiert.

Britische Medien berichteten kürzlich, dass das Londoner Gesundheitsministerium bereits entsprechende Flugzeuge reserviert habe, um im Notfall lebenswichtige Medikamente und Medizingerät direkt nach Großbritannien einfliegen zu können.

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 10.12.2018 mit der Information, dass die für Dienstag vorgesehene Abstimmung des britischen Parlaments über das Brexit-Abkommen verschoben wird.

Lesen Sie dazu auch:
EuGH: Großbritannien könnte Brexit noch stoppen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Freunde hinterlassen Spuren im Gehirn – Rauchen auch

Sport, Alkohol, soziale Kontakte – die Lebensführung spiegelt sich im Gehirn wieder, so eine Studie. Und: Raucherhirne laufen auf Hochtouren. Doch das ist nicht positiv gemeint... mehr »

§219a – Eine Reform und ihr Preis

Am Ende ging es schnell: Nach dem Beschluss im Bundestag, dürfen Ärzte künftig informieren, dass sie Abtreibungen anbieten. Glücklich ist mit dem Kompromiss niemand. Auch nicht mit der Studie zu den Folgen einer Abtreibung. mehr »

GBA warnt Spahn vor „Systembruch“

Der Versuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bewertungsverfahren im Gemeinsamen Bundesausschuss zu umgehen, stößt auf massive Gegenwehr im GBA. mehr »