Ärzte Zeitung online, 12.10.2015

Pädiater fordern

Jungen Flüchtlingen schneller helfen!

Viele Kinderärzte behandeln ehrenamtlich in deutschen Flüchtlingslagern - unter teils chaotischen Umständen. So kann es nicht weitergehen, mahnt der Berufsverband BVKJ.

Jungen Flüchtlingen schneller helfen!

Kinder in der Kälte: Flüchtlinge warten am Montag in Berlin auf ihre Registrierung.

© Nietfeld/dpa

BAD ORB. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat beim Herbstkongress in Bad Orb die Bundesregierung dazu aufgefordert, künftig "keinerlei Einschränkung in der medizinischen Versorgung von minderjährigen Flüchtlingen" mehr zuzulassen.

Bei den meisten häufig traumatisierten oder akut/chronisch kranken Kindern bestehe sofortiger und umfassender Handlungsbedarf.

Nach Darstellung von BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann sind derzeit etwa 25 Prozent der Flüchtlinge und Asylsuchenden Minderjährige. Auch für sie müsse das in der UN-Kinderrechtskonvention verankerte Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit gelten.

Gesundheitsfürsorge beschleunigen!

Damit müsse sichergestellt werden, dass alle Kinder die notwendige ärztliche Hilfe und Gesundheitsfürsorge, die ihnen zum Teil noch vorenthalten wird, tatsächlich erhalten. Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gelte dies in besonderem Maß.

Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat der BVKJ seine einzelnen Landesverbände aufgefordert, jeweils einen Flüchtlingsbeauftragten zu ernennen. Diese sollen mit der zuständigen Landesregierung zusammen abklären, wie die Versorgung von Kindern auch über akute Erkrankungen hinaus geregelt werden könne.

Darin müsste dann auch die medizinische Versorgung chronisch kranker und traumatisierter minderjähriger Flüchtlinge genauso mit eingeschlossen werden wie Maßnahmen der medizinischen Prävention. Und dies ohne bürokratische Hürden und langwierige Antragsprozesse, forderte Dr. Ulrich Fegeler, Bundespressesprecher im BVKJ, in Bad Orb.

Temporäre Einschränkungen einer umfassenden Gesundheitsversorgung sind für den BVKJ nur dann zu rechtfertigen, wenn plötzlich derart viele Minderjährige versorgt werden müssen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen. Laut Hartmann müsse dann "bis zur Entspannung der Situation die Versorgung nach Triage-Gesichtspunkten" erfolgen.

Eine Chipkarte für alle Kinder

Über die Akutversorgung hinaus müsse aber nach der Registrierung die kontinuierliche fachärztliche Behandlung von Flüchtlingskindern und -jugendlichen in der ambulanten Grundversorgung stattfinden. Der BVKJ spricht sich für die Einführung einer Patientenchipkarte für alle Kinder aus, die bei der Registrierung gleich ausgestellt werden soll.

Finanziert werden sollte diese Karte über ein gesondertes Budget, das - außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung - je zur Hälfte aus öffentlichen Mitteln und von den Krankenkassen gespeist werden soll.

Der Verband fordert darüber hinaus Früherkennungs-Untersuchungen auch für Flüchtlingskinder, die im Schulalter sind und bei denen aktuell altersbedingt keine Vorsorgeuntersuchung anstehen würde.

Die Versorgung von Flüchtlingskindern ist auch in Ländern wie etwa Australien ein viel diskutiertes Thema. Dort weigern sich Klinikärzte, behandelte Kinder zu entlassen, weil sie in Auffanglager zurückgebracht werden, wo ihre Gesundheit gefährdet ist.

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