Ärzte Zeitung, 03.08.2016

Flüchtlinge

Traumatisierte brauchen mehr Hilfe

KONSTANZ. Flüchtlinge mit komplexen Formen von Traumata müssen aus Sicht der Konstanzer Psychotraumatologin Maggie Schauer besser unterstützt werden. Bislang seien Therapeuten auf Hinweise von Menschen angewiesen, die Kontakt zu solchen Flüchtlingen hätten – etwa Behörden, Ärzte oder Ehrenamtliche.

Zudem gebe es zwar Screening-Verfahren, um psychische Belastungen zu erkennen. Diese flächendeckend einzusetzen, sei aber noch nicht möglich. "Sich als Hilfesuchender bemerkbar zu machen, ist schwer", so Schauer.

Persönlichkeit kann sich verändern

Komplexere Formen von Traumata entstünden etwa, wenn die Kindheit von schwerer Gewalt und Vernachlässigung geprägt sei oder bei Opfern fortgesetzter Folter oder langem Leid wie bei Überlebenden von Hungerlagern. "Nach solchen Erlebnissen ändert sich die Persönlichkeit", sagte die Expertin.

Überlebende könnten dann auch aggressiver, wütender und misstrauischer werden. Es sei wichtig, etwa psychosoziale Helfer durch Schulungen auszubilden und in den Gesundheitsbereich zu integrieren, damit über einen stufenweisen Zugang ein breiteres Angebot gemacht werden könne.

"Der Sektor Psychische Gesundheit wird in der Zukunft eine große Rolle spielen für unsere Gesellschaft", sagte Schauer. "Je eher wir das erkennen, umso besser." (dpa)

Topics
Schlagworte
Flüchtlinge (474)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »