Ärzte Zeitung, 21.09.2016
 

Schleswig-Holstein

Flüchtlingsambulanz soll schließen

Die Flüchtlingsambulanz in Neumünster galt als Vorzeigeprojekt. Nun jedoch soll diese drastisch verkleinert werden und möglicherweise sogar ganz schließen. Was steckt dahinter?

Von Dirk Schnack

NEUMÜNSTER. Die bundesweit einmalige Flüchtlingsambulanz am Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in Neumünster wird verkleinert und muss im kommenden Jahr voraussichtlich ganz schließen. Das Land Schleswig-Holstein will die Personalkosten wegen rückläufiger Flüchtlingszahlen nicht länger tragen.

Betroffen sind neben Pflegekräften auch vier syrische Ärzte, die in der Einheit Integrierende Versorgung (EIV) Patienten behandeln. Innerhalb eines Jahres waren nach FEK-Angaben rund 1200 Flüchtlinge in die EIV gekommen, bei zuletzt rückläufiger Tendenz.

Integriert in Notaufnahme

Nun stehen Umstrukturierungen an: Ende Oktober laufen Zeitverträge mit Pflegekräften aus und die EIV räumt die von ihren Mitarbeitern genutzten Behandlungszimmer im FEK.

Die verbleibenden, vom Land bezahlten Mitarbeiter sollen im November in das Team der Notaufnahme integriert werden, wo dann auch die Flüchtlinge behandelt werden sollen. Die Finanzierungszusage des Landes für diese Mitarbeiter gilt aber nur noch bis Ende Februar 2017.

Wie es danach weitergeht, weiß derzeit niemand. Grund für die Unsicherheit ist die stark schwankende Zahl an Flüchtlingen in der benachbarten Erstaufnahmeeinrichtung des Landes.

Dort waren zu Spitzenzeiten bis zu 6000 Menschen untergebracht, die nach den Sprechzeiten ihres medizinischen Dienstes in der Notaufnahme des Krankenhauses Unterstützung suchten und zeitweise dort die normale Notfallversorgung komplett lahm legten.

Zahl nur noch dreistellig

Diese Situation wurde seinerzeit unbürokratisch und schnell mit der Einrichtung der EIV entschärft. Das Modell galt bundesweit als vorbildlich, weil es die Notaufnahme entlastete, geflüchteten Ärzten eine Arbeit in ihrem Beruf verschaffte und diesen ein schnellerer Zugang zu den Patienten möglich war als deutschen Kollegen.

Inzwischen ist die Zahl der Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung nur noch dreistellig, entsprechend geringer ist die Nachfrage nach medizinischen Leistungen.

FEK-Chef Alfred von Dollen will trotzdem vor allem die vier syrischen Ärzte, deren Approbation in Deutschland noch nicht anerkannt ist, halten. Derzeit befindet sich das FEK hierzu in Gesprächen mit dem Kieler Gesundheitsministerium. Für die Finanzierung der EIV ist das Innenministerium zuständig, das auf Anfrage keine Stellungnahme abgab.

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