Ärzte Zeitung online, 26.01.2018

Telemedizin

Live-Schalte ins Pflegeheim

Im westfälischen Städtchen Bünde machen Ärzte und Heimbewohner seit einem Jahr gute Erfahrungen mit der elektronischen Visite.

BÜNDE. Paula Sänger (Name geändert) hat es sich in ihrem Ohrensessel gemütlich gemacht. Gemeinsam mit ihrer Pflegerin wartet die 88-Jährige, die ein Zimmer einer Seniorenresidenz im westfälischen Städtchen Bünde bewohnt, auf ihren Arzt. Pünktlich um 10.30 Uhr bittet der die alte Dame zur Visite – per Videokonferenz.

Bundesweit finden solche Online-Sprechstunden bislang noch recht selten statt – auch wenn die Kassen das Angebot seit Kurzem vergüten. In Bünde dagegen haben Haus- und Fachärzte bereits Erfahrungen mit dem Arztbesuch per Mausklick machen können. Vor gut einem Jahr starteten 15 im "Ärztenetz Medizin und Mehr eG" in Bünde zusammengeschlossene Mediziner das Projekt elektronische Visite in Pflegeheimen (elVi). Nach der erfolgreichen Testphase soll das Projekt jetzt schrittweise auf andere Praxisnetzregionen in Westfalen-Lippe ausgedehnt werden. Grundlage ist ein Vertrag zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und der AOK NORDWEST.

In dem Projekt führen teilnehmende Arztpraxen auf Anfrage der Pflegekräfte in 13 Pflegeheimen eine elektronische Visite durch (wir berichteten): Dies geschieht mithilfe eines webbasierten Videokonferenz-Systems, das auf einem Tablet oder PC aufgespielt werden kann. Arzt und Pflegeheimkraft tauschen sich so – per Live-Schalte – über den Stand der Medikation eines Heimbewohners aus, beurteilen chronische Wunden oder erörtern Fragen zur Therapie. Auch Vitalparameter wie Herzrhythmus, Sauerstoffspannung, Temperatur oder Blutzuckergehalt des Patienten lassen sich via elVi bequem erfassen. Diese werden in Echtzeit über Messgeräte erhoben und sind dem Arzt sofort zugänglich. "Das Projekt hat großes Potenzial", sagt AOK-Vorstandschef Tom Ackermann. (hom)

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[31.01.2018, 10:49:18]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Jürgen Lange
Es ist sicher eine der neueren Möglichkeiten, mit dem Pflegepersonal oder dem Patienten im Pflegeheim per Videokonferenz ins Gespräch zu kommen. Mir wird allerdings das Thema in letzter Zeit zu sehr in den Vordergrund gestellt. Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt ist doch das, was bei der hausärztlichen Behandlung mit am wichtigsten ist, davon lebt die ärztliche Betreuung! Neulich bei einem Routinebesuch bei einer mir jahrelang bekannten Patientin ging uns beiden nach 20 Minuten der Gesprächsstoff aus, alles war gesagt, die Befunde besprochen. Da nahm die Patientin einfach meine Hand und wir saßen fast zehn Minuten und hingen unseren Gedanken nach, ich verlies tief berührt den Raum.
Ob das der Videoschirm eines Tages ersetzen kann?
Jürgen Lange,
Allgemeinarzt aus Frankleben zum Beitrag »

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