Ärzte Zeitung, 08.03.2011

Krankenkassen drängen auf Nachbesserungen am Morbi-RSA

445 Millionen Euro Defizit in der Gesamt-GKV - das ist nach dem Krisenjahr 2009 nicht viel. Aber für einzelne Kassen sieht das Bild deutlich differenzierter aus.

BERLIN (sun/HL). Im Gesamtjahr 2010 standen den gesetzlichen Krankenkassen Einnahmen in Höhe von 175,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Dem standen Ausgaben in Höhe von 175,73 Milliarden Euro (plus 4,95 Prozent) gegenüber, so dass ein Defizit von 445 Millionen Euro entstanden ist.

In den Einnahmen der Krankenkassen sind auch die Zusatzbeiträge von insgesamt 660 Millionen Euro enthalten, die einige Krankenkassen im Laufe des Jahres erheben mussten, weil die Zuweisungen aus dem Fonds absehbar nicht mehr ausgabendeckend sein würden.

Der Fonds selbst zahlte 170,3 Milliarden Euro an die Kassen aus, erhielt aber aus Beiträgen und Bundeszuschüssen 174,6 Milliarden Euro. Per Saldo weist der Fonds einen Überschuss von 4,2 Milliarden Euro aus. Er kommt in die Liquiditätsreserve.

Aus der Sicht einzelner Kassenarten sieht die Bilanz deutlich differenzierter aus: die AOK steht mit 515 Millionen Euro im Defizit. Allein die DAK hat ein Minus von 79 Millionen Euro. Ursache dafür sei nicht der erhebliche Mitgliederschwund der Kasse, die einen Zusatzbeitrag erhebt, sondern der Morbi-RSA, der nicht hinlänglich Krankheiten und ihre Kosten abbilde, sagte ein DAK-Sprecher gestern. Nötig sei eine Reform.

Anders bei der Techniker Krankenkasse: Sie verbucht einen Überschuss von 558 Millionen Euro.

GKV mit 445 Millionen Euro im Minus

Veränderung je GKV-Mitglied in Prozent 1. bis 4. Quartal 2009 im Vergleich zum 1. bis 4. Quartal 2010
Leistungsausgaben insgesamt3,1
Ärztliche Behandlung2,6
Zahnbehandlung (kons-chirurg.)2,2
Zahnersatz3,3
Arznei- u. Verbandsmittel insgesamt1,3
Häusliche Krankenpflege10,9
Krankenhausbehandlung4,7
Krankheitsverhütung/soziale Dienste- 34,7
Krankengeld8,0
Fahrkosten3,6
Kuren und Rehabilitation- 1,7
Früherkennungsmaßnahmen- 1,5
Leistungen bei Schwangerschaft ohne stat. Entbindung4,7
Verwaltungskosten5,8
Ausgaben insgesamt 175.735 Mio. Euro
Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds 170.303 Mio. Euro
Beitragseinnahmen vor dem 1.1.2009 1.730 Mio. Euro
Übrige Einnahmen 3.258 Mio. Euro
Einnahmen insgesamt 175.290 Mio. Euro
Überschuss - 445 Mio. Euro
Quelle: BMG/KV 45, Tabelle: Ärzte Zeitung

Lesen Sie dazu auch:
Sparpaket halbiert Defizit auf 445 Millionen Euro

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis wurden erneut exzellente deutsche pharmakologische Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »