Ärzte Zeitung, 04.05.2011

Kommentar

Der nackte Preiswettbewerb

Von Ilse Schlingensiepen

Der Gesundheitsfonds hat den gesetzlichen Krankenkassen nicht nur die Beitragssatzautonomie genommen, sondern als Folge droht ihnen auch der Verlust der Handlungsautonomie. Das gilt zumindest für die Kassen, die einen Zusatzbeitrag nehmen müssen.

Sobald der von den Versicherten zu zahlende Extra-Obolus als Ultima Ratio droht, werden die Kassen zu Getriebenen. Sie müssen wie zurzeit die Vereinigte IKK alle Energien darauf konzentrieren, eine Lösung zur Vermeidung des Zusatzbeitrags zu finden.

Alle wissen, dass der Einzug von acht Euro im Monat eine Abwärtsspirale in Gang setzen kann. Versicherte verlassen die Kasse, ihre Risikostruktur verschlechtert sich, die Finanzen werden noch enger, der Zusatzbeitrag steigt weiter.

Mit ihrer lapidaren Bemerkung, dass unwirtschaftliche Krankenkassen eben einen Zusatzbeitrag nehmen müssen, hat die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt der GKV einen Bärendienst erwiesen.

Die Ursachen, warum Kassen mit den Zuweisungen aus dem Fonds nicht zurecht kommen, sind vielfältig, interessieren aber kaum jemanden. Das Leistungsangebot der Kassen zählt nicht mehr, es geht nur um den Preis. Der viel gepriesene Qualitätswettbewerb sieht anders aus.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Teure regionale Leistungsstrukturen bringen die Vereinigte IKK ins Schleudern

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