Ärzte Zeitung online, 12.09.2013
 

TK-Chef Baas

Viele Rüpel in der Selbstverwaltung

Ein Jahr nach Dienstantritt muss sich TK-Vorstandschef Jens Baas über die Umgangsformen in der Selbstverwaltung immer noch wundern.

Dr. Jens Baas

Rüpelverhalten schadet dem Image der Selbstverwaltung

Hadert mit dem Umgangsformen in der Selbstverwaltung: TK-Chef Dr. Jens Baas.

© TK

KIEL. Misstrauen, unhöflicher Umgangston, überzogene Kritik und viel Emotionen - die Akteure im deutschen Gesundheitswesen verhalten sich nach Beobachtung von Dr. Jens Baas häufig nicht so, wie es die hohe Verantwortung vermuten ließe.

Der im vergangenen Jahr neu angetretene TK-Chef wundert sich auch ein Jahr später noch über die Umgangsformen in der vermeintlich partnerschaftlichen Selbstverwaltung.

Er plädiert für mehr Professionalität. Statt der Chefs schickt der Kassenverband nur die Arbeitsebene und die ärztlichen Verhandlungspartner, mit Vorstand angereist, fühlen sich düpiert.

Man rächt sich mit saftig formulierten Pressemitteilungen und verteilt Zitronen vor dem Kassengebäude. Szenen aus dem jüngsten Honorarkonflikt in Hamburg, wie sie überall in Deutschland passieren können.

Nicht immer die volle Wahrheit

Es wird getrickst, geärgert und wenn schon nicht bewusst gelogen, zumindest nicht immer die volle Wahrheit erzählt. Fest steht, dass Beobachter oft kaum noch beurteilen können, wessen Angaben stimmen.

TK-Chef Dr. Jens Baas hält manche Reaktion in konfliktbeladenen Situationen zwischen Selbstverwaltungspartnern zwar für verständlich, aber nicht für zielführend - und schon gar nicht für förderlich für das Image der Selbstverwaltung.

"An der aktuellen Stimmung tragen alle Seiten ihre Verantwortung. Das Misstrauen ist nachvollziehbar und man muss auch akzeptieren, dass jeder das Beste für sein Unternehmen herausholen möchte. Aber ein fairer Umgang muss gewährleistet bleiben", sagte Baas im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Mehr Ehrlichkeit hilft - auch beim ärztlichen Nachwuchs. Baas nannte das Beispiel Attraktivität des ärztlichen Berufes.

Mit Einkommen sehr zufrieden

"Fast alle Ärzte, die ich kenne, sind mit ihrem Beruf und auch ihrem Einkommen sehr zufrieden. Dennoch wurde Jahre lang von Standesvertretern pauschal das Gegenteil behauptet", sagte Baas.

Als Folge überrascht es ihn nicht, dass es weniger junge Menschen in die Praxen auf dem Land drängt.

Baas plädiert deshalb dafür, dass Selbstverwaltungspartner ihr Handeln stärker an den gemeinsamen Zielen ausrichten: "Wir müssen Interessengleichheit schaffen, die Emotionalität herausnehmen und professioneller werden." (di)

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