Ärzte Zeitung, 14.03.2014

Klinik-Reform

Kassen fordern Strafen für schlechte Qualität

Die DRG werden zehn Jahre alt. Zum Geburtstag kündigt die große Koalition ein Geschenk an. Zu- und Abschläge in den DRG sollen Anreize für mehr Qualität in den Kliniken sein. Der DKG-Chef hält dagegen.

Kassen fordern Strafen für schlechte Qualität

Noch ist der Puls stabil. Die Pläne der Koalition könnten ihn bei Klinikchefs bald nach oben treiben.

© beerkoff / fotolia.com

BERLIN. Für Vertreter der Krankenkassen ist klar: Krankenhäuser, deren Leistungen unter einem bestimmten Qualitätsniveau liegen, sollen künftig mit Sanktionen belegt werden können.

"Es ist Zeit für Konsequenzen", hat Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, gefordert. Die Politik solle nicht davor zurückschrecken, Häuser zu schließen, weil sie längere Wartezeiten fürchte.

Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Edgar Franke (SPD), beschwichtigte: "Es ist schwer, schlechte Leistung überhaupt zu messen. Positive Anreize haben bessere Signalwirkung als negative."

Bevor die Politik die Peitsche schwingen könne, müssten potenzielle Sanktionen zunächst justiziabel sein. "Die Politik wird aber über Zu- und Abschläge diskutieren", sagte Franke auf dem 13. Nationalen DRG-Forum am Donnerstag.

"Ein Märchen"

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Alfred Dänzer, gab sich darauf kämpferisch: "Das ist doch ein Märchen zu sagen, wir haben in Deutschland einen riesigen Nachholbedarf in der Qualitätssicherung im Bereich der stationären Leistungen."

Wenn es einen Nachholbedarf dafür gäbe, läge der in der ambulanten Versorgung. Die Qualität in den Kliniken sei hoch, so Dänzer. Beispiel: Das Wundinfektionsrisiko liege in deutschen Krankenhäusern im Schnitt bei 0,05 Prozent.

Das zeige eine Studie des AQUA-Instituts zur Qualität in Krankenhäusern aus 2012. Dem Diskurs um die Qualitätsoffensive, fehle es eindeutig an Tiefenschärfe.

Um eine tiefgreifende Reform und möglicherweise auch Bettenabbau werden die Kliniken aber wohl kaum herumkommen. Die Arbeiten daran starten am 24. März. (mh/af)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Von der Party in die Notaufnahme

Nach reichlichem Genuss von Energy-Drinks entwickelt ein junger Patient einen Infarkt. Die Diagnostik zeigt einen überraschenden Befund - und wirft zusätzlich Fragen auf. mehr »

Webbasierter Arzneiplan bindet Pflege ein

Der schnelle Austausch zwischen Ärzten, Pflegern und Apotheken kann die Qualität der Arzneitherapie um 25 Prozent verbessern. Das zeigt das Projekt InTherAKT aus Münster. mehr »

Kleine Blutungen sind kein Grund, die Antikoagulation abzusetzen

Unter oraler Antikoagulation haben Patienten häufig Nasenbluten und andere kleinere Blutungen. Bedenklich sind solche lästigen Zwischenfälle aber nicht, bestätigt eine Registerstudie. mehr »