Ärzte Zeitung, 08.07.2016
 

Kliniken in Rheinland-Pfalz

Patienten zufrieden, Kassen nicht

Ein Gutachten, mehrere Interpretationen: Patienten in Rheinland-Pfalz sind mit der Klinikbehandlung meist zufrieden. Denn: Hier gibt es noch viele nahe Kliniken. Das würden die Kassen gerne ändern.

Von Christiane Badenberg

Patienten zufrieden, Kassen nicht

Gute Betreuung in der Klinik hat ihren Preis. Muss also immer beim Personal gespart werden?

© scofieldza/Fotolia.com

MAINZ. Ein Gutachten, verschiedene Interpretationsmöglichkeiten, so lässt sich die Reaktion auf die Analyse zur Krankenhauslandschaft Rheinland-Pfalz zusammenfassen. Das von den Kassen in Auftrag gegebene Gutachten hat unter anderem gezeigt, dass die Zahl der Pflegekräfte zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt. Bei den nicht-medizinischen Diensten sind es sogar 26 Prozent.

Die Gutachter vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und des Institute for Healthcare Business (hcb) interpretieren diese Zahlen eher negativ: Es gebe offenbar wenig Outsourcing und der Ressourceneinsatz sei nicht optimal, heißt es in dem Gutachten. Diese Meinung dürften die Kassen teilen.

Kliniken sehen sich gestärkt

Anders sieht das die rheinland-pfälzische Krankenhausgesellschaft (KGRP). Denn die Gutachter haben auch hohe Zufriedenheit der Patienten festgestellt. "Das Gutachten der Krankenkassen stellt den Kliniken ein gutes Zeugnis aus. Es bestätigt die Erkenntnisse der KGRP, wonach die Kliniken in Rheinland-Pfalz bei der Behandlungsqualität und der Patientenzufriedenheit gut abschneiden", so der Vorstandsvorsitzende der Krankenhausgesellschaft Dr. Gerald Gaß.

Die Zufriedenheit sei nicht zuletzt auf die gute Personalausstattung zurückzuführen. Die im Vergleich zum Bundesdurchschnitt um sechs Prozent höheren Einnahmen würden von den Kliniken benötigt, um diesen überdurchschnittlich hohen Personaleinsatz finanzieren zu können. Eine Senkung des Landesbasisfallwertes lehnt Gaß deshalb strikt ab. Dieser liegt in Rheinland-Pfalz sechs Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Gemeinsame Forderung nach mehr Investitionsmittel

Einig sind sich Kassen und Krankenhausgesellschaft dagegen beim Thema Investitionsmittel. "Die Forderung nach einer drastischen Aufstockung der Investitionsmittel wird auch von uns erhoben", sagt Gaß. Den Kliniken stünden preisbereinigt in diesem Jahr nur noch 60 Prozent der Investitionsmittel des Jahres 2002 zur Verfügung.

Professor Boris Augurzky vom RWI/hcb schätzt den Investitionsbedarf mehr als doppelt so hoch ein als der zur Zeit geleistete Beitrag ausmacht. Im vergangenen Jahr hat die Landesregierung Kliniken mit 63 Millionen Euro gefördert. "Wir wollen keine politisch naiven Forderungen stellen", kommentierte der Leiter der vdek-Landesvertretung Martin Schneider die Investitionskostenmisere bei der Vorstellung des Gutachtens, "aber das Land ist hier einfach mehr gefordert".

Viele Klinken: Gut für Patienten, schlecht für Kassen

Die Kassen würden an der Struktur der Krankenhauslandschaft in Rheinland-Pfalz gerne etwas ändern und das Gutachten gibt ihnen dafür einige Argumente an die Hand. So haben die Gutachter im ländlich geprägten Rheinland-Pfalz unter anderem eine hohe Krankenhausdichte mit vielen kleinen Standorten ausgemacht.

Das sorgt zwar zur Freude der Patienten für eine gute Erreichbarkeit, führt aber zu Doppelstrukturen, vor allem an den vier Ländergrenzen und in den Ballungsgebieten. Zudem würden die erforderlichen Mindestmengen oft nicht erreicht.

So haben laut RWI/hcb bei komplexen Eingriffen am Pankreas 14 von 31 Kliniken im Jahr 2014 die Mindestmenge von zehn Operationen nicht erreicht, bei Eingriffen am Ösophagus kamen 14 von 20 Kliniken nicht auf die geforderte Zahl von zehn.

Länderübergreifende Klinikplanung sinnvoll?

Bei Knochenmarktransplantationen erreichen das Westpfalzklinikum Kaiserslautern und das Klinikum Ludwigshafen häufig die Mindestmenge nicht. Das Land erteilt hier laut Augurzky oft Ausnahmegenehmigungen. "Das ist aus Strukturgründen verständlich, aber eine Konzentration auf die Uniklinik Mainz oder länderübergreifend auf die Uniklinik Homburg/Saar auch aus Qualitätsgründen eher wünschenswert."

Er empfiehlt mehr Schwerpunktbildung und Spezialisierung. Das steigere die Qualität und erleichtere die Anwerbung von Fachkräften.

Zudem hält er eine länderübergreifende Klinikplanung und eine sektorenübergreifende Bedarfsplanung für sinnvoll. Außerdem sollten Überkapazitäten zum Beispiel in der Inneren Medizin, der Geburtshilfe und der Unfallchirurgie abgebaut sowie Altersmedizin an ausgewählten Standortenmit ausreichend vielen Fachdisziplinenausgebaut werden. Die Kassen wollen jetzt mit den Ergebnissen des Gutachtens das Gespräch mit Krankenhausträgern, Krankenhausgesellschaft und der Landesregierung suchen.

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