Ärzte Zeitung online, 24.11.2016

Krankenkassen-Manipulationen

Aufsicht droht mit Konsequenzen

MÜNCHEN/BERLIN. Die Aufsicht der Sozialversicherungen von Bund und Ländern haben den Krankenkassen bei Manipulationen von Leistungsabrechnungen mit rechtlichen Schritten gedroht. Die Behörden hätten auf ihrer Tagung in München hierfür einstimmig rechtliche Rahmenbedingungen abgesteckt und Maßnahmen beschlossen.

Es gehe darum, unzulässige Beeinflussungen der vertragsärztlichen Diagnose zu verhindern, teilte das bayerische Gesundheitsministerium auf Anfrage mit.

Hintergrund sind Berichte, dass gesetzliche Krankenkassen bei der Abrechnung von Leistungen im großen Stil schummeln. Es bestehe ein Wettbewerb zwischen den Kassen, wer es schaffe, die Ärzte dazu zu bringen, für die Patienten möglichst viele Diagnosen zu dokumentieren.

Dann gebe es mehr Geld aus dem Risikostrukturausgleich, dem Finanzverteilsystem unter den Krankenkassen. Die Kassen bezahlen diesen Darstellungen zufolge Prämien von zehn Euro je Fall für Ärzte, wenn sie den Patienten auf dem Papier kränker machten.

Die Behörden stellten nun fest: "Grundsätzlich ist die korrekte und vollständige Kodierung von Diagnosen stets vertragsärztliche Pflicht und eine gesonderte Vergütung der Krankenkassen alleine für die Kodierung von Diagnosen unzulässig." Die Aufsichtsbehörden wollen das Thema weiterverfolgen, hieß es. (dpa)

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[25.11.2016, 10:43:31]
Jörg Avila 
Liegt die Lösung doch nicht in einfacheren Kodierrichtlinien
Das Problem mit den richtigen Diagnosen ist mindestens so alt, wie es die ICD-Kodierung gibt. Dieses Problem wird nun auf Grund einer monetären Abhängigkeit verschärft. Bei der Vielzahl der Beteiligten ergibt sich naturgemäß eine Vielzahl von Ansichten, wie, was richtig sein sollte. Ohne einheitlicher Regelungen wird diese Diskussion immer öfter zu einer gerichtlichen Klärungsbedürftigkeit in unserer Gesellschaft betrieben werden. Die Kunst einer einheitlichen Regelung liegt jedoch in der Schaffung einer einfachen und übersichtlichen Regelung. Die in der Vergangenheit angestrebten Kodierrichtlinien dürften dabei das Maß des Einfachen und Praktikablen nicht ausreichend erfüllen. Ohne Regeln wird die Diskussion ob und wann, wie zu kodieren ist jedoch nicht abebben. Es bedarf einer Einigung der Beteiligten verlässliche Regeln für alle zu schaffen. Dies jedoch in Bälde. zum Beitrag »

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