Ärzte Zeitung online, 12.12.2016
 

Sachsen-Anhalt

Morbidität schafft Arbeit

Sachsen-Anhalts Vertragsärzte gehören zu Spitzenverdienern – nicht zuletzt wegen der altersbedingt hohen Morbidität der Bevölkerung.

MAGDEBURG. Sachsen-Anhalt ist das Bundesland mit der ältesten Bevölkerung. Das schlägt sich auch in Gesundheitsdaten nieder.

48,1 zu 44,4: Knapp vier Jahre liegt das Durchschnittsalter der Sachsen-Anhalter über dem Bundesdurchschnitt. Der Abstand zum "jüngsten" Land Hamburg beträgt sogar sechs Jahre. Das geht aus Basisdaten des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) zur gesundheitlichen Versorgung in Sachsen-Anhalt hervor.

Über zwei Millionen Menschen sind hier sozialversicherungspflichtig, wobei sich der Anteil von Frauen und Männern nahezu die Waage hält. Allerdings verdienen Vollbeschäftigte nach wie vor deutlich weniger als im Rest des Landes.

Mit jährlich mehr als 2000 Herzinfarkttoten liegt das Land dagegen um 64,6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Der akute Myokardinfarkt steht nach der chronischen ischämischen Herzkrankheit an zweiter Stelle der häufigsten Todesursachen in Sachsen-Anhalt.

Herzinsuffizienz und hypersensitive Herzkrankheit folgen auf den Plätzen drei und vier.

Infarktregister soll Erklärungen liefern

Aufschluss über die Ursachen der erhöhten Mortalität soll das 2013 von der Landesregierung initiierte Herzinfarktregister bringen. Mit drei großen Herzkliniken und rund 30 Herzkatheterlaboren ist das kleine Bundesland jedenfalls relativ gut aufgestellt.

Dass die Krankenhauskosten je Fall in Sachsen-Anhalt dennoch mit rund 3800 Euro unter dem Bundesdurchschnitt von über 4200 Euro liegen, könnte nach Ansicht der vdek-Experten dafür sprechen, dass mehr Patienten aufgrund leichterer Indikationen stationär behandelt werden.

Bei Verweildauer und Krankenhaushäufigkeit pro Versicherten weist der Versorgungsbericht Werte über dem deutschlandweiten Schnitt aus.

Viel zu tun haben auch Sachsen-Anhalts Vertragsärzte. Dass sie mehr Patienten behandeln als viele ihrer Kollegen in anderen Bundesländern, zahlt sich in barer Münze aus: Aus dem Topf der gesetzlichen Krankenkassen erhält ein Hausarzt pro Jahr vor Steuern im Schnitt knapp 250.000 Euro, je Facharzt sind es durchschnittlich 232.000 Euro.

Im bundesweiten Vergleich gehören Vertragsärzte zwischen Arendsee und Zeitz damit zu den Spitzenverdienern.

17,3 Prozent der GKV-Leistungsausgaben fließen in den ambulanten Bereich, 17,2 Prozent werden für Arzneimittel ausgegeben. Die Krankenhäuser bekommen mit 35 Prozent (rund zwei Milliarden Euro) nach wie vor den größten Brocken. (zie)

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