Ärzte Zeitung online, 08.12.2017

Brustkrebs

Gentests: 39 Kassen zahlen

Selektivvertrag des Bundesverbands der Pathologen stößt auf große Resonanz.

BERLIN. Bereits 39 Krankenkassen bieten ihren Versicherten Gentests bei Brustkrebs in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutscher Pathologen (BDP) an. Das teilte der Pathologenverband jetzt mit.

Der BDP hat im August den ersten herstellerunabhängigen Selektivvertrag für Gentests als Entscheidungshilfe für oder gegen eine Chemotherapie bei Brustkrebs mit der Betriebskrankenkasse Verkehrsbauunion (BKK VBU) abgeschlossen. Innerhalb von drei Monaten sind nun 38 weitere Kassen mit mehr als vier Millionen Versicherten dem Integrationsvertrag beigetreten.

Der Verband wertet das als Zeichen dafür, dass der Selektivvertrag auf einen vorbereiteten und fruchtbaren Boden gefallen sei. "Die Herstellerunabhängigkeit des Vertrags ist dabei von zentraler Bedeutung", so der BDP weiter. Sie erlaube es behandelnden Ärzten, genau den Test auszuwählen, der für ihre Patientinnen der individuell richtige sei. Die Festlegung auf eine einzige diagnostische Methode bezeichnet der Verband als nicht erstrebenswert. "Die Freiheit in der Wahl der richtigen Methode ist ein Grundpfeiler und zentrale Verantwortung ärztlichen Handelns sowohl allgemein als auch im Bereich der Genexpressionsdiagnostik."

Der BDP betrachtet den Vertrag als Übergangslösung für die Zeit, "die die gesetzliche Krankenversicherung braucht, um kollektivvertragliche Regelungen zu finden". Genexpressionsdiagnostik wäre im Rahmen der ambulanten spezialärztlichen Versorgung prinzipiell möglich. Weil es bisher jedoch nur wenige ASV-Teams gibt, wird sie in diesem Versorgungsmodell kaum angeboten. Wann die Gentests bei Brustkrebs in die Regelversorgung Eingang finden, ist nach der negativen Nutzenbewertung des IQWIG von Dezember 2016 völlig dahingestellt. In einem Entwurf für eine Entscheidungshilfe rät das IQWIG derzeit auch Patientinnen davon ab, sich auf die Tests zu verlassen.

Der BDP kritisiert, es sei verwirrend, dass darin einige Tests nicht genannt werden, obwohl sie vielen Frauen angeboten würden. Über die Veröffentlichung der Entscheidungshilfe entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss. (ami)

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (18041)
Mamma-Karzinom (1483)
Organisationen
BKK (2229)
Krankheiten
Mamma-Karzinom (2613)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Warum Schlafmangel heißhungrig macht

Schlafmangel kurbelt den Hunger an, das kennen viele aus Erfahrung. Warum das so ist, haben jetzt Forscher entschlüsselt: Es liegt nicht an den Hormonen. mehr »

So hoch ist der neue Beitragssatz Ihrer Krankenkasse

Für Millionen Kassenpatienten sinkt der Beitragssatz. Welche Krankenkasse 2019 günstiger wird, welche teurer und welche ihre Beiträge stabil hält, zeigen wir in unserem großen Beitragssatz-Check mit aktuell 39 Kassen. mehr »

Künstliche Intelligenz verändert die Medizin

Bei der Künstlichen Intelligenz (KI) rückt die Medizin immer stärker in den Fokus. Medizinethiker Professor Georg Marckmann erläutert im Interview, warum KI ein wertvoller Baustein bei Diagnostik und Therapie sein kann. mehr »