Ärzte Zeitung, 23.05.2012

Ärztetag anerkennt "Mitverantwortung für Unrechtstaten"

Ärztetag anerkennt "Mitverantwortung für Unrechtstaten"

NÜRNBERG (fst). Der Deutsche Ärztetag hat am Mittwoch einstimmig eine Erklärung verabschiedet, die an die Nürnberger Ärzteprozesse vor 65 Jahren erinnert.

Er freue sich, sagte Ärztepräsident Dr. Frank Ulrich Montgomery nach der Abstimmung, "dass es keine Gegenstimme und keine Enthaltung gegeben hat".

"Wir erkennen die wesentliche Mitverantwortung von Ärzten an den Unrechtstaten der NS-Medizin an und betrachten das Geschehene als Mahnung für die Gegenwart und Zukunft", heißt es in der "Nürnberger Erklärung".

Ausdrücklich betonen die Delegierten, die Initiative für gravierende Menschenrechtsverletzungen sei "im Gegensatz zu noch immer weit verbreiteten Annahmen (...) nicht von politischen Instanzen, sondern von den Ärzten selbst ausgegangen".

Die Forschung habe gezeigt, dass das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen noch größer war, als 1946/47 bei den Prozessen angenommen.

In der Erklärung verpflichtet sich der Ärztetag, die historische Forschung "durch finanzielle und institutionelle Unterstützung voranzutreiben".

Zuvor hatte eine Gruppe von 50 prominenten Ärzten an den Ärztetag appelliert, "hier in Nürnberg, wo die medizinischen Verbrechen verhandelt wurden, (...) auch öffentlich Stellung zu beziehen".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »