Ärzte Zeitung online, 16.04.2019

Umfrage

Deutsche finden „Social Freezing“ okay

Laut einer Umfrage hält fast die Hälfte der Bevölkerung Kryokonservierung für gute Lösung.

Deutsche finden „Social Freezing“ okay

Social Freezing genießt in Deutschland Akzeptanz, so eine Umfrage der IKK Classic.

© Science Photo Library / Ag.Focus

DRESDEN. Die Deutschen zeigen sich gegenüber künstlicher Befruchtung und „Social Freezing“ recht aufgeschlossen. Das hat eine repräsentative Umfrage der IKK Classic ergeben. So halten 46 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer, die an der Online-Umfrage teilgenommen haben, die Kryokonservierung auch aus sozialen Gründen für eine gute Lösung.

Ab Mai können Krebspatienten ihre Ei- oder Samenzellen auf Kosten der Krankenkasse einfrieren lassen. Bei einer medizinischen Indikation übernehmen die Kassen die Behandlungskosten für eine Kryokonservierung. Knapp die Hälfte der Befragten möchte diese Leistung auch auf gesunde Versicherte ausweiten.

Was sind die Umfrageergebnisse?

Etwa 40 Prozent sprachen sich für eine komplette oder teilweise Kostenübernahme aus, cirka 20 Prozent meinen, der Staat müsse die Kosten übernehmen, 13 Prozent sind der Meinung, der Arbeitgeber solle die Kryokonservierung finanzieren. Mehrfachnennungen waren hier möglich.

51 Prozent der Umfrageteilnehmer würden bei einem unerfüllten Kinderwunsch künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen wollen. 63 Prozent befürworten die Methode generell, nur drei Prozent lehnen sie kategorisch ab. Die Zustimmung bei jüngeren Frauen war mit 63 Prozent bei 20 bis 25-Jährigen fast doppelt so hoch wie bei über 40-Jährigen. In dieser Altersgruppe käme lediglich für 34 Prozent eine künstliche Befruchtung in Frage.

Die gesetzlichen Regelungen zur Kostenübernahme beurteilen die Befragten kritisch. Derzeit erhalten nur Ehepaare Zuschüsse für die ersten drei Behandlungsversuche.

Auch unverheirateten Paaren die Chance geben?

Vor allem die Beschränkung auf verheiratete heterosexuelle Paare hält die Mehrheit für falsch. Laut IKK Classic sprachen sich 54 Prozent dafür aus, dass die Kosten auch für unverheiratete Paare übernommen werden sollen, 45 Prozent sind der Meinung, die Kassen sollten auch lesbischen Paaren die künstliche Befruchtung finanzieren. Über ein Viertel meinen, die Kosten sollten auch für alleinstehende Frauen übernommen werden.

Jeweils ein Drittel der Befragten sprach sich dafür aus, mehr Versuche zu finanzieren sowie den Kassenananteil an den Behandlungskosten von derzeit 50 Prozent zu erhöhen.

44 Prozent der Umfrageteilnehmer sind mit den Regelungen zum Alter einverstanden. Derzeit müssen Frauen mindestens 25 Jahre und dürfen höchstens 40 Jahre alt sein, wenn sie die Leistungen der Krankenkasse in Anspruch nehmen wollen. Für Männer liegt das Höchstalter bei 50 Jahren. Für die Umfrage wurden 1000 Bundesbürger im Alter zwischen 20 bis 50 Jahren befragt.

Nach eigenen Angaben unterstützt die IKK Classic pro Jahr etwa 2300 Versicherte bei einer Kinderwunschbehandlung. Pro Versuch zahle sie über das gesetzlich vorgegebene Maß hinaus einen Extra-Zuschuss von 500 Euro, sagt Tino Schindler, Leiter des Unternehmensbereichs Versicherungen und Leistungen bei der IKK Classic. (chb)

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