Ärzte Zeitung online, 14.11.2017

Mecklenburg-Vorpommern

Debatte um Versorgung von Notfallpatienten

Zu viele Patienten werden in Klinik-Notfallambulanzen behandelt. Hilft ein Triage-System?

SCHWERIN. Um die Notfallambulanzen an den Krankenhäusern im Nordosten zu entlasten, bräuchte Mecklenburg-Vorpommern mehr Bereitschaftspraxen an den Kliniken. Doch selbst bei einer flächendeckenden Umsetzung sehen die Kliniken den Gesetzgeber in der Pflicht für weitere Änderungen.

Rund 220 000 Patienten werden pro Jahr in den Notfallambulanzen der 37 Krankenhäuser an der Ostsee behandelt. Sie kommen mit zunehmender Tendenz entweder selbst oder über den Rettungsdienst in die Kliniken. Rund die Hälfte dieser Patienten könnten nach Einschätzung der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV) "theoretisch" von niedergelassenen Ärzten behandelt werden.

Nur: "Deren Öffnungszeiten passen nicht mehr zu den Arbeitszeiten der Berufstätigen, die sich in der Regel nicht während der Arbeitszeit wegen eines Arzttermins vom Dienst entfernen können", gab die KGMV in ihrer Mitgliederversammlung zu bedenken.

Helfen könnten nach Ansicht von KGMV-Geschäftsführer Wolfgang Gagzow gemeinsame Anlaufstellen, die mit einem Triage-System Patienten lenken. Bislang gibt es aber nur neun Bereitschaftspraxen an Kliniken im Nordosten, die Patienten ambulant behandeln. Für die gewünschte flächendeckende Umsetzung, die nach Ansicht Gagzows auch zu allen Uhrzeiten erfolgen sollte, fehlen dem Nordosten aber schlicht die Ärzte.

Weiteres Problem für die Kliniken ist die Honorierung – nach Angaben der KGMV werden die ambulant behandelten Notfälle den Kliniken "nicht annähernd leistungsgerecht vergütet". Gesetz und Realität passen nach Ansicht der Klinik-Vertreter nicht mehr zusammen – sie sehen den Gesetzgeber gefordert, einen gesonderten Regelungsbereich, der eine Verbindung zwischen der ambulanten und stationären Versorgung herstellt, zu schaffen. Notwendig sei eine Regelung mit "klarer Aufgabenbeschreibung und auskömmlicher Vergütungsregelung." (di)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Sepsis – "häufigste vermeidbare Todesursache im Land"

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Ärzte, Patientenschützer und Politiker fordern jetzt: Die Blutvergiftung muss als Notfall akzeptiert werden. mehr »

"Hacker kommen wie durch eine offene Tür in Arzt-Systeme"

Nehmen niedergelassene Ärzte Gefahren durch Cyber-Angriffe ernst genug? Sie selbst glauben das mehrheitlich. Ein Sicherheitsexperte gießt Wasser in den Wein. mehr »