Ärzte Zeitung online, 24.11.2017
 

Ärztekammer macht mobil

Neun Punkte für die Notfallversorgung

Die Notfallversorgung in Berlin stößt an ihre Grenzen. Nun hat die Ärztekammer einen Forderungskatalog vorgelegt.

Von Angela Misslbeck

BERLIN. Massiven Reformbedarf an der Notfallversorgung in der Hauptstadt meldet die Ärztekammer Berlin an. Das System stößt aus ihrer Sicht an seine Grenzen. Einstimmig hat die Kammerversammlung daher eine Resolution verabschiedet, die neun detaillierte Handlungsempfehlungen umfasst.

Der Berliner Kammerpräsident Dr. Günther Jonitz betrachtet sie als konstruktiven Beitrag der Ärzteschaft in der aktuellen Diskussion um die Probleme in der Notfallversorgung. Dr. Thomas Werner vom Vorstand der Berliner Kammer unterstreicht die Dringlichkeit: "Steigende Patientenzahlen in der wachsenden Stadt, demographische Veränderungen und sich wandelnde Versorgungsbedarfe bringen das bisherige System an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit und ergeben nachhaltigen Reformbedarf von Organisation, Struktur und Prozessgestaltung." Grundlage der geforderten Anpassungen müsse eine sachgemäße, ausreichende Finanzierung sein, so Werner.

Kaum "echte" Portalpraxen

Zentrale Forderung der Resolution ist, dass Portalpraxen als Kassenarztpraxen an allen größeren Krankenhäusern in Berlin eingerichtet werden. Bislang gibt es in Berlin kaum "echte" Portalpraxen. Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin hat dazu eine Bestandsaufnahme angekündigt.

Die Portalpraxen sollen nach den Vorstellungen der Kammerversammlung die Triage und Lenkung der Patienten übernehmen. Zur Finanzierung der integrierten Notfallversorgung in Portalpraxen fordern die Delegierten einen eigenen, dritten Topf. Notfallsprechstunden von niedergelassenen Haus- und Fachärzten seien der Notfallversorgung zuzurechnen. "Nicht interessengerecht" sei daher die Vergütung nach dem EBM im Normenregime der ambulanten Versorgung.

Öffnungszeiten abstimmen

Die Kammerversammlung forderte niedergelassene Ärzte auf, alle Notfallbehandlungen eindeutig zu kennzeichnen, damit der Umfang in der ambulanten Versorgung genauer erfasst werden kann.

Sie appellierte zugleich an die niedergelassenen Ärzte, Praxisöffnungszeiten aufeinander abzustimmen. "Es ist nicht sinnvoll, dass viele Praxen am Mittwoch geschlossen haben", heißt es in der Resolution.

Entlastung für die Notaufnahmen der Krankenhäuser verspricht sich das Berliner Ärztekammerparlament zudem von einer Änderung der Krankentransportrichtlinie. Aufgrund der Richtlinie würden bei gehunfähigen und dementen Patienten derzeit primär die Rettungsstellen angefahren.

"Krankentransporte müssen im Notfall auch ohne vorherige Genehmigung durch die Krankenkassen in die vertragsärztliche Praxis möglich sein", lautet daher eine der Forderungen. Zudem setzen die Ärzte auf verstärkte Patienteninformation. Ängstliche und übervorsichtige Patienten sollen informiert werden, bei welchen Symptomen wirklich eine Notfallbehandlung nötig ist.

Eine Onlineberatung soll Patienten bei der Entscheidung unterstützen, wohin sie sich mit ihren Beschwerden wenden sollen. Das Land Berlin fordern die Kammerdelegierten auf, die Bevölkerung in einer Medienkampagne über die überarbeiteten Notfallstrukturen in der Hauptstadt aufzuklären.

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