Berliner Portalpraxen

Konzept kommt auf den Prüfstand

Zwölf Portalpraxen gibt es in Berlin, und vor allem am Standort Unfallkrankenhaus (ukb) ist man zufrieden mit der Entwicklung. Doch der neue KV-Vorstand ist nicht überzeugt.

Von Angela Misslbeck Veröffentlicht: 13.03.2017, 11:08 Uhr
Konzept kommt auf den Prüfstand

Das Alter des kleinen Patienten hat für Ärzte auch eine abrechnungstechnische Dimension, die im Alltag zu bedenken ist. Robert Kneschke / fotolia.com

© Robert Kneschke / fotolia.com

BERLIN. Die Portalpraxen in Berlin polarisieren. Deshalb kommen sie nun auf den Prüfstand. Das hat die neue Vorsitzende der KV Berlin, Dr. Margret Stennes angekündigt.

Nach KV-Angaben gibt es derzeit insgesamt zwölf sogenannte Portalpraxen in der Hauptstadt. Doch sie arbeiten nach unterschiedlichen Regelungen. Die einzige klassische Portalpraxis, in der niedergelassene Ärzte die Dienste besetzen, ist am Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) angesiedelt. "Insgesamt funktioniert es reibungslos. Die Anzahl an kurzfristigen Änderungen ist überschaubar, bisher sind zwei Dienste unvorhergesehen ausgefallen", teilte das ukb auf Anfrage mit. Laut ukb werden in der Portalpraxis nach einer Triage durch Fachpflegekräfte der Rettungsstelle im Durchschnitt 38 Patienten pro Wochenendtag behandelt.

"Es profitieren beide Seiten"

Das ukb zieht eine positive Zwischenbilanz: "Die Einführung einer Portalpraxis am Unfallkrankenhaus Berlin hat sich bewährt. Die Zusammenarbeit mit den Vertragsärzten läuft reibungslos, es herrscht eine kollegiale, freundliche Atmosphäre unter allen Beteiligten. Klinikärzte und niedergelassene Kollegen kommen sich bei ihrer Arbeit in einzigartiger Weise nahe und können sich untereinander besprechen und gegenseitig unterstützen. Von diesem Austausch profitieren beide Seiten", sagt ukb-Direktor Professor Axel Ekkernkamp.

Doch die Regelung am ukb ist eine Einzellösung. Alle anderen Portalpraxen in Berlin sind komplett anders organisiert. Dort stellen die Krankenhäuser nicht nur Räume und Pflege- und Verwaltungskräfte, sondern auch das ärztliche Personal für die Portalpraxen. Der Fallwert ist nach Informationen der "Ärzte Zeitung" jedoch deutlich niedriger als in den Rettungsstellen – und dort ist er den Kliniken zufolge schon nicht kostendeckend. Bei Krankenhäusern, die nach diesem Prinzip die Aufgaben der Portalpraxen übernehmen, verzichtet die KV Berlin nach übereinstimmenden Angaben aus gut informierten Kreisen auf die von ihr seit gut einem Jahr geforderte Abrechnungsbegründung.

Von der Öffentlichkeit unbemerkt

Zur Erinnerung: Kurz nachdem der Gesetzgeber die Einrichtung von Portalpraxen zur Pflicht gemacht hatte, hat die KV Berlin von den Rettungsstellen der Berliner Krankenhäuser verlangt, dass sie jede Behandlung in den Sprechstundenzeiten der Vertragsärzte bei der Abrechnung begründen. Der Streit zwischen KV Berlin und Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) schaukelte sich hoch bis ins Bundesgesundheitsministerium.

Von der Öffentlichkeit unbemerkt haben KV Berlin und BKG dann offenbar eine Rahmenvereinbarung geschlossen. Daran wirkt unter anderem Vivantes mit den fünf Standorten Neukölln, Humboldt-Klinikum, Spandau, Urban und Friedrichshain mit.

Scharfe Kritik an dieser Regelung äußert der Ärztliche Direktor der Berliner Uniklinik Charité, Professor Ulrich Frei. "Die Konstruktion, die die KV gewählt hat, ist ein Kostendrücker", sagte Frei bei einer Veranstaltung der Berliner Wirtschaftsgespräche im DRK Klinikum Westend.

Der "Ärzte Zeitung" erklärte er im Nachgang: "Wir haben an diesem Vertrag nicht mitgemacht. Wir sind jetzt in der Gefahr, dass die KV unsere Notfallscheine wegen mangelnder Begründung nicht abrechnet. Ich würde gern mit dem neuen KV-Vorstand in das Thema noch einmal einsteigen, denn so wie es jetzt ist, ist die Sache ungelöst."

Die neue KV-Vorsitzende hatte das Thema nach elf Tagen im Amt offenbar als Reizthema erkannt: "Der neue Vorstand wird auswerten, wie solche neuen Versorgungskonzepte zu sprechstundenfreien Zeiten, neben unserem von der Berliner Bevölkerung sehr gut angenommenen fahrenden ärztlichen Bereitschaftsdienst die Krankenhäuser entlasten können." Das kündigte Stennes in ihrer Rede bei der gleichen Veranstaltung an, noch bevor Frei seine Kritik äußerte.

38

Patienten

werden pro Wochenendtag in der am ukb angesiedelten Portalpraxis im Durchschnitt behandelt.

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