Ärzte Zeitung online, 03.02.2018

Transplantationsmedizin

Niedersachsen macht Dampf bei Organspende

In Niedersachsen soll ein Gesetz regeln, in welchem Umfang Transplantationsbeauftragte an Kliniken von sonstigen Aufgaben freigestellt werden.

HANNOVER. Niedersachsens Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann hat angekündigt, schnell ein Ausführungsgesetz zum Transplantationsgesetz (TPG) vorzulegen, "das insbesondere die Qualifikation und den Umfang der Freistellung von Transplantationsbeauftragten in unseren Kliniken vorsieht", wie Reimann in einer Rede vor dem Landtag sagte. Das Kabinett in Hannover will einen entsprechenden Gesetzesentwurf im März 2018 beschließen.

"Mit diesem Gesetz wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, die Zahl der Organspenden wieder zu erhöhen und dafür bitte ich Sie bereits jetzt um Ihre Unterstützung", betonte Reimann. Sie appellierte: "Ich bitte Sie heute nicht um die Zustimmung zu einem neuen Gesetz. Ich bitte von mir aus alle in Niedersachsen um eine persönliche Entscheidung."

Niedersachsen gehört zu den Bundesländern, die nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) noch kein Ausführungsgesetz für die Novellierung des TPG des Bundes von 2012 beschlossen haben.

Eigentlich hätte das Niedersächsisches Ausführungsgesetz nach den Vorstellungen der Landesregierung bereits in der vergangenen Legislaturperiode auf den Weg gebracht werden sollen, so ein Sprecher Reimanns auf Nachfrage. Dazu sei es "wegen der Verkürzung der Legislaturperiode nicht mehr gekommen." In dem Bundesland war die Landtagswahl auf den 15. Oktober vorgezogen worden, weil eine Abgeordnete der Regierungskoalition aus SPD und Grünen die Fraktion verließ und damit die knappe Mehrheit der Regierungskoalition kippte.

Derzeit habe Niedersachsen der DSO 112 Entnahmekrankenhäuser benannt, die die Voraussetzungen nach Paragraf 9a Absatz 1 Satz 1 TPG erfüllen, so der Sprecher des Ministeriums. "Diese Krankenhäuser müssen über mindestens eine oder einen Transplantationsbeauftragte(n) verfügen." Wie viele Beauftragte tatsächlich im Land arbeiten, weiß das Gesundheitsministerium nicht.

"Nach der aktuellen Statistik der DSO haben 2017 in Deutschland nur 797 Menschen Organe gespendet", sagte Reimann. "Das sind noch einmal 60 weniger als im Vorjahr und damit der niedrigste Stand seit 20 Jahren. Damit steht Deutschland im Vergleich fast hinter allen anderen westeuropäischen Ländern."

Derzeit warten in Deutschland mehr als 10.000 Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan, etwa 8000 auf eine Niere.

In Niedersachsen spendeten 2017 nur 64 Menschen nach ihrem Tod Organe, 2016 waren es 73 und im Jahr davor 62. Die Zahl der gespendeten Organe sank auf 209. Im Jahr 2015 zählte man im Nordwesten noch 218 gespendete Organe, 2016 waren es 265. (cben)

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