Pflegekräfte sehen für sich Dauerkonjunktur

Die demografische Entwicklung stimmt Pflegekräfte optimistisch. Auf sie kommt immer mehr Arbeit zu. Mit besserer Qualifikation wollen sie auf ärztlichem Terrain, aber auch mit Pflegeassistenten neue Berufe schaffen.

Von Marion Lisson Veröffentlicht:

LUDWIGSHAFEN. Ob es Sinn macht, die bislang dreijährige Ausbildung von Pflegekräften um ein halbes Jahr zu verlängern, dies sollte möglichst zügig in Modellprojekten geprüft werden. Dies machten baden-württembergische Pflegeverbände anlässlich des 3. Rhein- Neckar-Kongresses für Gesundheitsfachberufe in Ludwigshafen deutlich.

Ziel sei es, den Pflegekräften spezielle Kenntnisse zu vermitteln, damit sie Tätigkeiten ausüben könnten, die bisher Ärzten vorbehalten seien, so Josef Hug, Pflegedirektor am Städtischen Klinikum Karlsruhe. Als Beispiel nannte er Blutentnahmen, eine qualifizierte Wundbehandlung oder Infusionstherapie.

In Ludwigshafen zeigten sich die Pflegevertreter grundsätzlich mit der aktuellen Entwicklung und Situation der Pflegeberufe in den Kliniken hochzufrieden. "Neue Stellen, neue Ausbildungsmöglichkeiten und die Abbildung des Pflegeaufwands in den Fallpauschalen - all das, was die Pflegeverbände in den letzten zehn bis 15 Jahren gefordert haben, kommt nun endlich in die Gänge", sagt Hug. Die Politik habe in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Pflegeverbänden die Weichen richtig gestellt und somit die Chance zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Situation des Pflegepersonals sowie der Patienten in den Kliniken eröffnet. Vor allem die 17 000 neuen Stellen für examinierte Pflegekräfte, die zu 90 Prozent über drei Jahre den Kliniken finanziert werden, könnten als "notwendige Gegenregulation" zum Personalabbau der vergangenen Jahre gesehen werden, waren sich die Pflegeexperten in Ludwigshafen einig.

Kooperationspartner des Kongresses waren neben dem Städtischen Klinikum Karlsruhe das Universitätsklinikum Mannheim und das Klinikum der Stadt Ludwigshafen.

"Die zusätzlichen Stellen, die wir 2009 abrufen, bringen auf den jeweiligen Stationen eine eindeutige Entlastung", berichtet Hagen Kern, Pflegedirektor der Universitätsmedizin Mannheim. Fünf Prozent dieser Stellen könnten für Modellprojekte, wie zum Beispiel Patientenmanagement, genutzt werden. Die organisatorischen Abläufe im Krankenhaus könnten dadurch weiter verbessert werden.

"Bis 2050 werden wir den dreifachen Pflegebedarf haben, darauf müssen wir reagieren", warnte Pflegedirektor Josef Hug. Diesen Bedarf könnten die Kliniken mit den dreijährig examinierten Pflegekräften nicht abdecken. Aus diesem Grunde sollten nun die gesetzlichen Grundlagen für eine zweijährige Pflegeassistenz-Ausbildung geschaffen werden.

Lesen Sie dazu auch: GEK-Pflegereport belegt: Prävention zahlt sich aus Auf dem Land droht ein Pflegenotstand Psychisch Kranke bleiben bei der Pflege weiter im Nachteil

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