Ärzte Zeitung, 04.11.2009

Kommentar

Eine Degradierung zum Praktikum

Von Rebecca Beerheide

Einst als "Drückeberger-Dienst" verspottet, ist der Zivildienst zu einer wichtigen Stütze im Sozialwesen geworden. Aus den neun Monaten ziehen viele Männer entschiedene Lebenserfahrung - und wechseln gar in die sonst unter jungen Männern als "uncool" geltenden Sozialberufe. Zwar wird der Zivildienst nach Plänen der Regierung nicht abgeschafft - aber doch zu einem besseren Praktikum degradiert.

Die Koalition will mehr Wehrgerechtigkeit - und trifft den Zivildienst. Bittere Konsequenz für die jungen Männer: Beginnt der Zivil- oder Wehrdienst im September und endet im Februar, müssten Ausbildungs- und Studienplätze bereitstehen. Doch beides beginnt oft erst Monate später -  im August oder Oktober. Ein halbes Jahr Leerlauf und Arbeitslosigkeit sind das Ergebnis.

Hart sind die Konsequenzen vor allem für die, die betreut werden: Die jungen Männer sind die Kontaktperson zu der Welt draußen, sie sind Hauptgesprächsthema der Mädchen in den Einrichtungen der Behindertenhilfe. Für Ältere in Pflegeheimen hat der "Ersatzenkel" mehr Zeit als die eigene Verwandtschaft. Gerade in einer Gesellschaft, die altert und in der es schon jetzt Pflegenotstand und weniger Zeit für die Betreuung gibt, ist die Verkürzung des Zivildienstes ein fataler Fehler.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Der Anfang vom Ende des "Zivis": Welche Einschnitte muss die Pflege verkraften?

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