Ärzte Zeitung, 18.12.2011
 

Kommentar

Ein Ende mit Schrecken

Von Sunna Gieseke

Das Jahr der Pflege geht mit Pauken und Trompeten zu Ende -doch frohlockende Töne spielt keiner mehr. Eher spiegeln die Instrumente die Misstöne in ihrer ganzen Breite wider: Minister Daniel Bahr muss eine Schlappe hinnehmen. Jürgen Gohde, der Kopf des Pflegebeirats, hat den Vorsitz abgelehnt. Überraschend kam dieser Entschluss nicht, doch ist er bedauerlich für die Umsetzung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs.

Im besten Fall könnte man Bahr zugute halten, dass er auf diesen Moment vorbereitet war: Schnell nach dem Gohde-Rücktritt, zauberte er eine Alternative aus dem Hut: Eine Doppelspitze mit Klaus-Dieter Voß, ehemaliger GKV-Spitzenverbandsvorstand, und Wolfgang Zöller (CSU), Patientenbeauftragter der Bundesregierung, sollen den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ausarbeiten. Doch ist das eine Lösung?

Mit dem Namen Voß könnte die Kassen- und damit Spar-Sicht auf die Pflege verbunden werden. Und Zöller arbeitet - seit langem - an seinem Patientenrechtegesetz. Ob der CSU-Politiker das Gegengewicht zum Kassen-Mann Voß bilden kann, wird sich zeigen müssen. Zum Jahresende steht fest: Die Koalition steht im Jahr der Pflege mit leeren Händen da.

Lesen Sie dazu auch:
Gohde bezweifelt Bahrs Willen - und wirft hin

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

So schützen sich Krebskranke vor Stigmatisierung

Wer an Krebs erkrankt, muss sich auch mit der damit verbundenen Stigmatisierung auseinandersetzen. Forscher raten zu gezielten Gegenstrategien. mehr »

Kassen rücken beim Arztinfo-System von der Steuerung via Ampel ab

Nutzenbewertungen neuer Arzneimittel durch den GBA finden bei Ärzten bisher oft nur wenig Beachtung. Ein Arztinfo-System soll das ändern. Der GKV-Spitzenverband hat dafür jetzt einen Prototypen präsentiert. mehr »

Sport tut den Gelenken gut - auch bei Multimorbidität

Selbst Arthrosepatienten mit schweren Begleiterkrankungen profitieren von regelmäßigem körperlichem Training. Es gibt allerdings eine Voraussetzung. mehr »