Ärzte Zeitung, 08.09.2012

Reha bei Demenz

Ein Dogma muss überdacht werden

Auch Demenz-Patienten profitieren von Reha. Das zeigt eine neue Studie und stellt die bestehende Praxis infrage. Allerdings sollten die Rehaangebot angepasst werden.

Reha kann auch bei Demenz sinnvoll sein

Training für den Arm - das kann auch bei moderater Demenz helfen.

© Dünhölter / imago

KÖLN (iss). Rehabilitationsmaßnahmen machen auch bei geriatrischen Patienten Sinn, die an einer leichten oder moderaten Demenz erkrankt sind.

Deshalb sollte der Grundsatz "Reha vor Pflege" auch bei diesen Patienten umgesetzt werden.

Um einen möglichst großen Behandlungserfolg zu erzielen und Komplikationen zu vermeiden, sollten die Rehaprogramme aber an die spezifischen Bedürfnisse und die kognitiven Fähigkeiten dieser Patienten angepasst werden.

Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Health-Technology-Assessment-Bericht (HTA).

Drei Wissenschaftler der GP-Forschungsgruppe in München hatten im Auftrag des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) eine systematische Literaturrecherche erstellt und 16 Studien zur geriatrischen Reha in die Auswertung einbezogen.

Ein Fazit des Berichts: "Die gängige Praxis, Patienten mit der Nebendiagnose Demenz von der Rehabilitation auszuschließen, muss aufgrund der - wenn auch uneinheitlichen - Studienlage hinterfragt werden und ist auch aus medizinethischen Gründen nicht vertretbar."

Keine Aussagen für starke Demenz

Nach der Untersuchung profitieren leicht bis moderat demente Patienten von Reha-Maßnahmen. Im Vergleich zu nicht dementen Patienten können sich die Fortschritte aber langsamer einstellen, und es werden geringere Verbesserungsraten erreicht.

Außerdem hat diese Patientengruppe ein geringeres Anfangs- und Endniveau. "Für Patienten mit starker Demenz können keine Aussagen gemacht werden, da sie häufig aus den Studien ausgeschlossen werden", schreiben die Autoren.

Ein gezieltes Training der kognitiven Fertigkeiten verbessert nach ihren Angaben den Zustand der Patienten. "Daher sollten die bestehenden Rehaprogramme um kognitive Trainings- und Übungsprogramme erweitert werden."

Die Wissenschaftler empfehlen außerdem, Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal für den Umgang mit Demenzkranken zu schulen und regelmäßig zu coachen.

Wenn möglich, sollten die pflegenden Angehörigen aktiv in die Reha einbezogen werden, damit sie die Patienten zu Hause bei Übungen unterstützen können.

Topics
Schlagworte
Pflege (5321)
Demenz (1998)
Krankheiten
Demenz (3269)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt Ältere nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Mit diesem Ergebnis überrascht die ASPREE-Studie. mehr »

Junge sind besonders depressionsgefährdet

Der Alltag junger Menschen birgt hohe Risiken für Depressionen. Ärzte warnen: Die Gefahr der Chronifizierung ist groß. mehr »

Allergien machen Kindern zu schaffen

Allergien, psychische Störungen und Unfälle bleiben die häufigsten Risiken für chronische Krankheiten von Kindern. Vor allem Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis beeinträchtigen den Nachwuchs. mehr »