Ärzte Zeitung, 29.01.2013

Pflegeberufsgesetz

Experten tadeln tatenlose Koalition

Bislang liegen lediglich Eckpunkte einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe für das geplante Pflegeberufegesetz vor. Pflegeexperten sind ernüchtert: Sie rechnen nicht damit, dass das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt wird.

BERLIN. Krankenpflege, Altenpflege, Kinderkrankenpflege - künftig soll es für diese Berufe eine gemeinsame dreijährige Pflegeausbildung geben. Das sehen jedenfalls Eckpunkte für ein Pflegeberufsgesetz vor, die eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe bereits im März vergangenen Jahres vorgelegt hat.

Pflegeexperten haben diese Eckpunkte als "Feigenblatt" der schwarz-gelben Koalition kritisiert. Sie dienten lediglich dazu, etwas Ruhe in die Pflegeszene zu bringen.

Letztendlich fehle der Koalition jedoch der politische Wille, die Pflegeausbildung tatsächlich zu reformieren, kritisierte Michael Breuckmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe, beim "Kongress Pflege 2013" von Springer Medizin in Berlin.

Schließlich sei seit März 2012 nichts passiert. Vor allem die Frage der Finanzierung der Reform sei nach wie vor ungeklärt.

Die Regierung habe zwar ein Gutachten zur Finanzierung der generalistischen Ausbildung in Auftrag gegeben. "Ergebnisse dieses Gutachtens sind bislang nicht bekannt", monierte Breuckmann.

Inzwischen dränge jedoch in Sachen Berufsgesetz die Zeit, ergänzte Thomas Kutschke, Geschäftsführer der Akademie für Gesundheitsberufe. Der Fachkräftemangel bei den Pflegeberufen nehme zu: Allein in Nordrhein-Westfallen fehlten insgesamt 3000 Ausbildungsplätze für alle Pflegeberufe.

Zum Vergleich: Experten schätzen, dass bereits heute bundesweit etwa 30.000 Pflegekräfte fehlen. Das Problem werde sich noch weiter verschärfen, prognostizierte Kutschke.

In den kommenden Jahren werde es bis zu 20 Prozent weniger Schulabgänger geben. Der Wettbewerb der Berufe um qualifizierte Nachwuchskräfte werde demnach noch zunehmen.

Es müsse jedoch nicht nur die Schulausbildung reformiert werden, warnte er. Auch die Attraktivität des Pflegeberufes müsse gesteigert werden. "In der Altenpflege bleiben die Kräfte im Schnitt 8,4 Jahre im Beruf", so Kutschke.

Diese Verweildauer sei viel zu kurz. Es brauche mehr Anstrengungen, damit die Menschen längerfristig in dem Beruf blieben. (sun)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Beginnt die MS im Dünndarm?

Im Dünndarm werden wohl "Schläfer-T-Zellen" aktiviert, die eine MS triggern. Jetzt sind Forscher auf der Suche nach dem Auslöser – und haben Keime im Verdacht. mehr »

Wie die Neurologie von der Flüchtlingskrise profitiert

Migranten sind für Europa eine Herausforderung, doch sie bringen auch neue Erkenntnisse: Mediziner können durch Zuwanderer erforschen, wie Gene und Umwelt mit neurologischen Krankheiten zusammenhängen. mehr »

Hausbesuche bringen wohl mehr Honorar

Beim GKV-Spitzenverband gilt als ausgemacht, dass die Ärzte für eine Ausweitung der Mindestsprechzeiten nur sparsam honoriert werden sollen. Das Honorarsystem soll keine Gelddruckmaschine für Ärzte sein. Eine Ausnahme könnte es geben: Hausbesuche. mehr »