Ärzte Zeitung, 31.03.2014

Dresden

Pflegekongress nimmt Polymedikation in den Fokus

Wenn alte Patienten mehr als fünf Medikamente nehmen: Bei jedem neuen Rezept ein Fragezeichen setzen!

DRESDEN. Mehr als fünf Medikamente gleichzeitig sollte ein Patient nicht einnehmen. Sonst sind die Wechselwirkungen nicht mehr überschaubar. Doch rund ein Viertel der über 65-Jährigen bekommt fünf oder mehr Arzneimittel verordnet.

Darauf verweist die Hausärztin Dr. Franziska Werner im Vorfeld des Interprofessionellen Pflegekongresses, der am 10. und 11. April 2014 von Springer Medizin in Dresden ausgerichtet wird. In Kooperation mit dem Sächsischen Hausärzteverband findet dort eine Veranstaltung zum Thema Multimorbidität und Pharmakotherapie im Alter statt - ein Seminar, das sich an Medizinische Fachangestellte und an das Praxispersonal richtet.

"Die Mitarbeiterinnen sollten so geschult sein, dass jede Rezeptbestellung über ein neues Medikament auf dem Tisch des Arztes landet - mit einem Fragezeichen versehen", so Werner, die im sächsischen Eibenstock ihre Praxis hat. "Auch bei Folgerezepten in kurzen Abständen sollten die Alarmglocken beim Praxispersonal klingeln."

Aufgabe der Praxishelferinnen sei es zudem, die Patienten immer wieder nach der Einnahme von frei verkäuflichen Produkten zu fragen. Und Aufgabe des Arztes sei es, die Medikation regelmäßig daraufhin zu überprüfen, ob ein Medikament weggelassen oder vorübergehend ausgesetzt werden kann.

Auch die Priscus-Liste wird Thema sein - sie enthält Wirkstoffe, auf die im Alter möglichst verzichtet werden sollte. Doch etwa jeder vierte Patient bekommt mindestens eines der potenziell gefährlichen Arzneimittel verschrieben. (an)

Seminare für Medizinische Fachangestellte und Praxispersonal: "Multimorbidität und Pharmakotherapie im Alter" (Freitag 11. April 2014, 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr), "Pflegeberatung und Umgang mit Angehörigen" (Freitag 11. April 2014, 17.00 Uhr bis 18.30 Uhr).

Weitere Informationen und Anmeldung: Andrea Tauchert, Tel. 030/82787-5510, andrea.tauchert@springer.com, www.heilberufe-kongresse.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »