Ärzte Zeitung online, 22.10.2015

Bayern

Palliative Care darf nicht mehr Sonderfall sein

Politiker und Kassenvertreter sehen Fortschritte in der Versorgung - und Lücken auf dem Land.

MÜNCHEN. Für einen flächendeckenden Ausbau von Palliative Care hat sich der CSU-Politiker Alois Glück, langjähriger Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag und jetzt Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, bei einer Fachtagung in München ausgesprochen.

Die Möglichkeiten von Palliative Care müssten allen Menschen zugänglich gemacht werden, sagte Glück bei einer Veranstaltung zum 25-jährigen Bestehen der vdek-Landesvertretung Bayern. Palliative Care sollte nicht mehr "Sonderfall", sondern integrierter Bestandteil des Gesundheitswesens sein.

Lebensqualität auch am Ende

Ziel müsse eine leistungsfähige Hospiz- und Palliativversorgung sein, die Lebensqualität auch am Ende des Lebens ermöglicht, sagte der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung Hermann Imhof. Dann könne man auch dem Wunsch mancher Menschen nach Beihilfe zur Selbsttötung überzeugend begegnen.

In Bayern gebe es inzwischen an 94 Krankenhäusern palliativmedizinische Angebote, berichtete Imhof. Darüber hinaus existierten 36 SAPV-Teams (spezialisierte ambulante Palliativversorgung) für Erwachsene und vier SAPV-Teams für Kinder, 18 stationäre Hospize und mehr als 130 Hospizvereine mit rund 6600 ehrenamtlichen Hospizbegleitern.

Die Ersatzkassen hätten bereits Mitte der 90er Jahre stationäre Hospize bezuschusst, bevor es dazu eine gesetzliche Regelung gab, erinnerte die Vorsitzendes des vdek, Ulrike Elsner.

Unterstützung von Hausärzten

Heute übernähmen die Kassen die Kosten in stationären Hospizen, unterstützten ambulante Hospizdienste sowie die SAPV. Seit dem vergangenen Jahr würden auch Hausärzte finanziell unterstützt, die in der Palliativversorgung tätig sind, erklärte Elsner.

Zwar habe sich die Versorgung Schwerstkranker und Sterbender in den vergangenen Jahren verbessert, dennoch gebe es Defizite, sagte die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. So gebe es auf dem Land noch Lücken in der ambulanten Palliativversorgung und in den Pflegeheimen müsse die Hospizkultur noch stärker verankert werden, forderte sie.

Mit dem Hospiz- und Palliativgesetz, das im November vom Bundestag beschlossen werden soll, werde die ambulante und stationäre Versorgung Schwerstkranker und Sterbender verbessert und ausgebaut. (sto)

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