Ärzte Zeitung, 26.05.2016

Pflege-TÜV

Laumann rät bei Heimsuche zur Selbsthilfe

BERLIN. Der "Pflege-TÜV" in seiner bisherigen Form gilt seit geraumer Zeit als gescheitert. Grund: Fast jedes bewertete Pflegeheim darf sich mit einem summarischen "sehr gut" schmücken.

In den Unterlagen echte Qualitätsunterschiede aufzuspüren ist für Verbraucher sehr aufwändig.

Jetzt legt das unabhängige Vergleichsportal "Weisse Liste" noch einmal nach: Die Qualität der Heime sei schlechter, als anhand der bisherigen Pflegenoten angenommen werden könne, heißt es sinngemäß auf der Internetseite der Bertelsmann Stiftung, die die "Weisse Liste" gemeinsam mit den Dachverbänden der großen Verbraucherorganisationen führt.

Eine Neuauswertung der Prüfungsergebnisse der Medizinischen Dienste habe ergeben, dass nur elf Prozent der Pflegeheime und 29 Prozent der Pflegedienste alle geforderten Kriterien zu 100 Prozent erfüllten.

In die Bewertung kamen ausschließlich harte Kriterien wie die regelmäßige Medikamentengabe, die Kontrolle der Flüssigkeitsaufnahme oder auch Fixierungen.

Laumann: Daten unzureichend

Als "interessanten Ansatz", der in die richtige Richtung geht", bezeichnete der Pflegebeauftragte der Bundesregierung Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU) das Vorgehen der "Weissen Liste".

Es könne allerdings die grundsätzlichen Schwächen des Bewertungssystems nicht beseitigen, sagte Laumann am Mittwoch der "Ärzte Zeitung". Die vorliegenden Daten aus den Heimen seien unzureichend.

Bewertet werde immer nur die Dokumentationsqualität, nicht die Ergebnisqualität.

Das Notensystem besteht als Orientierungshilfe fort. Gleichzeitig arbeitet ein Qualitätsausschuss derzeit an einem neuen System, das ab 2018 angewendet werden soll. Laumanns Rat: "Vergessen Sie den Pflege-TÜV!" Wer ein Heim suche, solle sich besser vor Ort selbst ein Bild machen.

In diese Kerbe schlägt auch die Grünen-Politikerin Elisabeth Scharfenberg. Sie forderte mehr Transparenz der Einrichtungsqualität durch eine stärkere Einbindung von ehrenamtlichen Helfern.

Dass Kassen und Heimbetreiber gemeinsam das neue System entwickeln sollen, lasse keine grundlegenden Reformen erwarten, warnte die Pflegepolitikerin. (af)

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