Ärzte Zeitung online, 13.12.2017

Appell von NRW-Gesundheitsminister

Kommunen sind bei Gesundheit und Pflege stark gefordert

Gesundheits- und Pflegeangebote müssen dort zu finden sein, wo die Menschen leben, fordert NRW-Gesundheitsminister Laumann.

MÜNSTER. Die Sicherstellung der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung von alten Menschen stellt nicht nur die Gesundheitspolitik vor große Herausforderungen. Auch die Kommunalpolitik muss sich mit dem Thema befassen, fordert der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Städte und Gemeinden müssten sich Gedanken machen, wie sie Angebote für diese Gruppe sicherstellen können, sagte Laumann auf der Veranstaltung "Im Alter medizinisch gut versorgt: Hürden abbauen. Übergänge gestalten" der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

"Wir haben die Aufgabe, die Leistungen des Gesundheits- und des Pflegesystems dahin zu bringen, wo die Menschen leben", betonte er. Altersgerechte Wohnungen, Kurzzeitpflegeplätze und weitere Angebote müssten mit Blick auf die vorhandene Infrastruktur konzipiert werden. Die Kommunalpolitik müsse sich um solche Fragen kümmern.

Städte und Gemeinden nutzen ihr Potenzial nicht aus, findet er. Im Internetzeitalter sollte es den Verwaltungen möglich sein, im Netz eine Seite anzubieten, in der Pflegeheime täglich freie Plätze in der Kurzzeitpflege melden. Dann müssten Angehörige und niedergelassene Ärzte im Bedarfsfall nicht erst aufwändig suchen.

Der Blickwinkel auf einzelne Versorgungsbereiche hilft nach seiner Ansicht nicht weiter. "Menschen leben nicht in einem Sektor." In die Überlegungen einbezogen werden müssten die ambulanten und stationären Strukturen, das Ehrenamt und das familiäre Umfeld. Wichtig ist ihm, dass die alten Menschen selbst entscheiden, wo sie leben wollen. "Die Forderung ambulant vor stationär werden Sie von mir nie hören."

Angesichts des Mangels an Ärzten und Pflegefachkräften ist für ihn klar, dass die Versorgung in einer älter werdenden Gesellschaft nicht allein auf einer professionellen Ebene gemeistert werden kann. "Man muss die Professionalität mit dem Umfeld der Menschen zusammenbringen", sagte der Minister. Laumann plädierte dafür, angesichts der Vielfalt der gesundheitlichen und pflegerischen Angebote nicht zu sehr auf die staatliche Planung zu hoffen. Vieles werde besser, wenn man es dem Markt überlässt. "Warum haben wir zu wenige Pflegekräfte? Weil wir über die Pflegeschulen geplant haben."(iss)

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