Ärzte Zeitung online, 31.08.2018

Brandenburg

Gewerkschafter gegen Pflegekammer

Verdi und Betriebsräte in Brandenburg wollen "keine Delegation staatlicher Aufgaben an eine Pflegekammer" und fordern stattdessen bessere Personalschlüssel.

POTSDAM/BERLIN. Die vom Landesgesundheitsministerium in Brandenburg gestartete Befragung von Pflegekräften über die Gründung einer Pflegekammer spaltet die Interessenvertretungen der Beschäftigten in der Pflege. Während der Pflegeberufsverband DBfK Nordost sich auf großes Interesse an der Kammer beruft, verweist die Gewerkschaft verdi darauf, dass viele Betriebsräte in brandenburgischen Krankenhäusern sich gegen eine Pflegekammer aussprechen würden.

In einem gemeinsamen Schreiben an das Gesundheitsministerium des Landes und an den Brandenburger Landtag haben sich laut der Dienstleistungsgewerkschaft die Betriebsräte und Mitarbeitervertretungen von 16 Kliniken in Brandenburg gegen die Gründung einer Pflegekammer ausgesprochen. Sie äußern die Meinung, dass der Pflegeberuf durch eine Pflegekammer mit einer Pflichtmitgliedschaft nicht attraktiver wird.

Sie fordern, dass die Einkommens- und Arbeitsbedingungen der Pflegebeschäftigten im Land Brandenburg wesentlich verbessert werden. Zudem sprechen sich die Betriebsräte gegen eine Delegation staatlicher Aufgaben an eine Pflegekammer aus. "Die Politik und der Staat dürfen bei der Pflege nicht aus der Verantwortung entlassen werden", heißt es in dem Brief, der auch "gesetzlich geregelte, verbesserte Personalschlüssel" fordert.

DBfK pro Pflegekammer

Der DBfK Nordost bezweifelt indes, dass dieser Brief so viele Unterstützer hat, wie von verdi angegeben. "Bei Informationsveranstaltungen sind uns viele Pflegepersonen sehr interessiert entgegengekommen, auch in den von verdi genannten Krankenhäusern", sagte Maria Kayser vom DBfK Nordost der "Ärzte Zeitung".

Der Verband verweist auf die Vorteile einer Pflegekammer: "Verkammerte Berufe werden in der Öffentlichkeit und im politischen Raum besser wahrgenommen. Dies trägt zu einer besseren gesellschaftlichen Wertschätzung des Berufs bei", erklärte der DBfK Nordost. Zugleich sei eine Kammer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Damit ziehe sich der Staat nicht aus der Verantwortung zurück.

In Brandenburg arbeiten nach Angaben des Ministeriums rund 54.000 Beschäftigte in der Pflege. Die telefonische Befragung von mindestens 2000 Pflegefachkräften in Brandenburg läuft seit Juli. Sie ergänzt eine Online-Befragung, die im April gestartet ist, und soll spätestens Anfang Oktober abgeschlossen sein. (ami)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Frühstück zu verzichten erhöht Diabetes-Gefahr

Wer das Frühststücken auslässt, erhöht damit womöglich das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Eine Metaanalyse mit fast 100.000 Teilnehmern zeigt: Die Gefahr wächst mit den Tagen. mehr »

Grünes Licht für die MWBO-Novelle

Weniger Richtzeiten und kompetenzbasiertes Lernen: Der Vorstand der Bundesärztekammer hat die Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung beschlossen. mehr »

Verdacht auf Kindesmisshandlung? Das sollten Ärzte dann tun

Haben Ärzte den Verdacht, dass ein Kind vernachlässigt, misshandelt oder gar missbraucht wird, sollten sie umgehend tätig werden. Wie sie vorgehen sollten, erläutert Oliver Berthold, Leiter der Kinderschutzambulanz in Berlin. mehr »