Ärzte Zeitung online, 11.02.2019

Pflegewissenschaftler

Schwarzarbeit trägt häusliche Pflege mit

In der häuslichen Pflege in Deutschland sind schwarzarbeitende Betreuer aus Osteuropa längst eine wichtige Säule, betont ein Pflegewissenschaftler. Er fordert die Politik auf, sich des Themas anzunehmen.

Bei Schwarzarbeit in der Pflege nicht mehr wegschauen

Pflege rund um die Uhr. In vielen deutschen Haushalten helfen Betreuungskräfte aus dem Ausland.

© CHW / stock.adobe.com

KARLSRUHE. In deutschen Haushalten arbeiten geschätzte hunderttausende illegal beschäftigte Betreuungspersonen in der Pflege von Senioren. Ein Pflegeexperte fordert nun, dass sich die Politik dieser Tatsache bewusst wird.

„Man wird sich dem Thema systematisch zuwenden müssen“, sagte Pflegewissenschaftler Michael Isfort vom Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP).

Die Betreuer stammen vor allem aus Osteuropa, meist handelt es sich um Frauen. Längst seien sie eine wichtige Säule in der häuslichen Versorgung Pflegebedürftiger – ohne dass die Politik dies in hinreichender Weise zur Kenntnis nehme, bemängelt Isfort.

„Wäre häusliche Versorgung zu bewerkstelligen, wenn diese Arbeitsverhältnisse wegfielen? Nein!“, sagte er.

Zudem gehe es nicht nur um den Schutz von Betreuungspersonen vor Ausbeutung, sondern auch um den der ihnen anvertrauten alten Menschen. Nötig sei eine Debatte, die zwischen den beteiligten Ministerien stattfinden müsse. „Da müssen Ausnahmetatbestände definiert und Sozialrechte angefasst werden – es ist ein Riesenaufwand“, sagte er. „Aber es muss passieren.“

So viel kostet eine ausländische Betreuungskraft

Wie teuer eine ausländische Betreuungskraft in etwa ist, hat der Verband für Häusliche Betreuung und Pflege (VHBP) bekannt gegeben. Eine von einer Agentur vermittelte Kraft kostet demnach im Monat zwischen 1800 und 2000 Euro.

Das entspreche in etwa dem Niveau des Eigenanteils für einen Platz in einem Pflegeheim. Hinzu kommen den Angaben zufolge allerdings noch Kost und Logis für die im Haushalt lebenden Beschäftigten und die Lebenshaltungskosten des zu Betreuenden.

Der Eigenanteil ist das Geld, das die Pflegebedürftigen oder deren Angehörige für den Heimplatz aufbringen müssen, da die Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten übernimmt. Die Belastungen sind allerdings von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich (siehe nachfolgende Landkarte).

Ursprünglich kamen die meisten Betreuungspersonen aus Polen, zu 90 Prozent sind dies Frauen, berichtet VHBP. Inzwischen aber rücke Südosteuropa, insbesondere Rumänien, in den Vordergrund, so der Verband. (dpa/ths)

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[12.02.2019, 10:44:09]
Kurt-Michael Walter 
Pflegewissenschaftler: Vom Nutzen von Schätzungen, Horoskopen und Prognosen

Seit der "Ober-Pflegewissenschaftler" Westerfellhaus, seinerseits Präsident a. D. eines Pflegedachverbandes und heutiger Staatsminister im Gesundheitsministerium die Republik mit fragwürdigen Kampagnen zum Pflegenotstand überzogen hat trauen sich immer mehr "selbsternannte" Pflegewissenschaftler Schätzungen und Prognosen zum Thema Pflege und Betreuung abzusondern um damit Aufmerksamkeit zu erzeugen, ob falsch oder sinnvoll ist dabei zweitrangig.

Im Übrigen sollten die Werte der dargestellten Tabelle bzw. Graphik mit äußerster Vorsicht interpretiert werden. Mein Rat: Wie bei allen öffentlich-rechtlich angegebenen Zahlenwerken zu Kosten den Ursprungswert mit 3,14 multiplizieren.

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[11.02.2019, 13:33:56]
Rudolf Hege 
Am besten hält sich die Politik da raus!
Wie sähe denn eine "politikkonforme" Lösung aus? Die Gewerkschaften fordern den Mindestlohn (in der Diskussion sind 12 EUR), die Renten- und Krankenversicherungen fordern Sozialbeiträge, das Finanzamt will Lohnsteuer.

Am Ende steigen die aufzubringenden Mittel der Betreuten bzw. Angehörigen in eine Dimension, dass es vielen unmöglich wird, diese noch aufzubringen. Aber für die Politik ist alles schön geregelt und gesetzeskonform. Leider ist der Patient auf dem Tisch geblieben, aber ansonsten lief die OP wirklich gut. Rein politisch betrachtet, natürlich... zum Beitrag »

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