Ärzte Zeitung online, 30.08.2013

Kommentar zur Rehabilitation

Reha vor Pflege - ein neuer Versuch

Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft lässt sich durch Reformblockaden wie etwa beim Reha-Budget nicht entmutigen. Ihr Positionspapier wirbt für faire Rahmenbedingungen in der Vorsorge und Reha.

Von Florian Staeck

Mit der Forderung "Reha vor Pflege" kann man keinen Gesundheitsexperten hinter dem Ofen hervorlocken: Zu oft gehört, mehr als bekannt. Vor diesem Hintergrund könnte das Positionspapier der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) zu Rehabilitation schnell abgeheftet werden.

Tatsächlich werden mit dem Papier auch ureigene Interessen adressiert. Mehr als die Hälfte der 119 Vorsorge- und Reha-Einrichtungen im Südwesten schreiben nach Angaben der BWKG rote Zahlen.

Da ist die Forderung nach einer "leistungsgerechten Vergütung" und dem Verweis, die Kosten der Häuser seien ähnlich wie bei Kliniken gestiegen, nicht weit.

Doch die Autoren haben sich die Mühe gemacht, jenseits bekannter Finanzierungsforderungen ins Detail einzusteigen. Das fängt bei einer Zugangshürde ganz eigener Art an - dem Antragsverfahren einer Reha durch den behandelnden Arzt.

Die Muster 60 und 61 gehören nicht ohne Grund zu den bestbehassten Vordrucken unter niedergelassenen Ärzten. Müsste hier dringend entschlackt werden, so darf es an anderer Stelle ruhig ein Stück Bürokratie mehr sein: Denn die GKV-Statistik verhindert bislang, dass länderbezogene Vergleiche etwa über Ausgaben für Vorsorge und Reha möglich sind.

Ähnlich sieht die Situation bei der eigentlich gebotenen Transparenz für Versicherte aus: Wie hoch sind die Quoten bei der Genehmigung einer Reha, bei Ablehnungen oder erfolgreichen Widersprüchen?

Hier leisten sich Kassen offensichtlich schwer erklärbare Verzögerungen bei Datenlieferungen, die zu Lasten der Transparenz bei Versicherten gehen.

An einem Punkt gehen die Pferde den Autoren dann doch durch: Noch im Herbst dieses Jahres müsse das Thema Reha auf die politische Agenda, fordert die BWKG.

Gemach: Wer die Reformzyklen in GKV und Pflege kennt, der dürfte dankbar sein, wenn der Gesetzgeber das Thema Reha 2014 überhaupt anfasst.

Lesen Sie dazu auch:
Reha: Kliniken im Südwesten wollen Anträge entschlacken

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »