Ärzte Zeitung online, 28.03.2014

Männergesundheit

Prävention nicht mit der Gießkanne

Mehr Schutz vor schweren Leiden durch Check-up-Medizin für Männer? Experten zweifeln.

BERLIN. Die Präventionskultur hierzulande kränkelt: Heilsversprechen treffen auf geringe Evidenz. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist für Männer fatal. Der Präventionsstress verhagele ihnen die Lebensfreude, mahnte Professor Lothar Weißbach von der Stiftung Männergesundheit.

Prävention durch Check-up-Medizin nach dem Gießkannenprinzip sei kein Heilsbringer: Es sei nicht durch Daten zu belegen, dass mehr Darmspiegelungen das Leben der Männer verlängere.

"Werden 1000 Männer mittels Koloskopie untersucht, haben etwa vier Darmkrebs. Einen davon, so die Statistik, entdecken die Ärzte. Drei sterben, ohne dass der Darmkrebs aufgefallen sei", so Weißbach. 228 hätten ein Risiko und müssten überwacht werden. Deren Lebensqualität sei fortan beeinträchtigt.

Gelungene Prävention sieht für Weißbach anders aus. "Nur das Suchen nach individuellen Risikofaktoren bringt etwas." Qualität in der Prävention entstehe durch eine vertrauensvolle Arzt-Patientenbeziehung anstatt durch Reihenuntersuchungen, sagte Weißbach. Ärzte könnten am besten Therapie und Erhalt der Lebensqualität gegeneinander aufwiegen. (mh)

Topics
Schlagworte
Prävention (2967)
Krankheiten
Darmkrebs (1422)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt Ältere nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Mit diesem Ergebnis überrascht die ASPREE-Studie. mehr »

Einige Frauen sind besonders dufte

Für Männer-Nasen riechen einige Frauen besser als andere. Das hängt mit der Fortpflanzung zusammen, berichten Forscher aus der Schweiz. mehr »

Mysterium Blasenschmerz-Syndrom

Bis zu 60 Mal am Tag auf die Toilette: Die interstitielle Zystitis, auch Blasenschmerz-Syndrom genannt, ist wenig bekannt. Die deutschen Urologen haben nun erstmals Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie herausgebracht. mehr »