Ärzte Zeitung, 24.06.2016

Projekt

Eine Perspektive für Obdachlose in Düsseldorf

Medizinische Erstversorgung, Prävention, Betreuungsangebote: die Diakonie Düsseldorf startet ein Projekt für Wohnungslose.

DÜSSELDORF. Die Diakonie Düsseldorf hat ein Projekt gestartet, das Wohnungslose im Alltag unterstützen soll. Die Initiative mit dem Namen "gesund.zeit.raum" umfasst vier Bereiche: medizinische Erstversorgung, Präventionsangebote, Verbesserung der seelischen Gesundheit und vorbeugende Hilfe in der Sozialberatung.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt, finanziert wird es mit 600 000 Euro vom Neusser Pharmaunternehmen Janssen und von Johnson & Johnson Citizen Trust. "Toll, dass Obdachlose hier mitten in der Stadt betreut werden", sagte Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). "Es ist ganz wichtig, den Menschen nicht nur im Notfall zu helfen, sondern schon durch Prävention."

Um die medizinische Versorgung der Wohnungslosen zu verbessern, will die Diakonie eine ärztliche Sprechstunde an der Tagesstätte "Shelter" in der Düsseldorfer Altstadt anbieten. Sie soll im Arztmobil des Vereins "Medizinische Hilfe für Wohnungslose" stattfinden.

"Viele Menschen ohne Wohnung gehen aus Scham nicht zum Arzt, selbst wenn sie richtig krank sind", erklärte Projektleiter Kai Lingenfelder von der Diakonie. "Diese Angst wollen wir ihnen nehmen." Noch fehlt es an Helfern. "Wir haben leider noch nicht genügend Ärzte gefunden", sagte Dr. Carsten König, Arzt und Ehrenamtlicher.

Viele Wohnungslose hätten psychische Erkrankungen, sagte König. "Zudem leiden 60 bis 70 Prozent der Wohnungslosen an Suchterkrankungen." Harmlosere Beschwerden hätten bei ihnen oft einen schlechteren Verlauf. "Menschen mit Wohnung würden sich mit einer Bronchitis ins Bett legen, ein Wohnungsloser kann meist nur in einem Hauseingang Schutz suchen", sagte er.

"Wohnungslose nehmen sich selbst und ihren Körper oft nicht sehr ernst", so Clarissa Schruck, Leiterin der Fachberatungsstelle der Diakonie. "Bei ihnen stehen existenzielle Ängste, wie die Witterung und Essen, im Vordergrund." Die Tagesstätten spielten eine wichtige Rolle. Durch das Projekt kann die Diakonie in den Tagesstätten einmal pro Woche günstig ein gesundes Frühstück anbieten.

Der Pharmakonzern Janssen will mit anpacken. "Es war uns wichtig, nicht nur Geldgeber zu sein", sagte Tatjana Dreyer, Mitglied der Geschäftsführung von Janssen. Das Unternehmen will Mitarbeitern anbieten, sich an dem Projekt zu beteiligen. "Wir haben viele Mediziner, die etwa Vorträge über die Prävention von Krankheiten halten können", sagte Dreyer. "Einige Mitarbeiter helfen in der Küche der Tagesstätte." (age)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Bekommen Kinder O-Beine durch Sport?

Zu O-Beinen neigen offenbar viele Kinder, die bestimmte Sportarten betreiben. Dabei wirkt die einseitige Druckbelastung im Knie als Wachstumsbremse, vermuten Forscher. mehr »

Strategie zur Künstlichen Intelligenz gefasst

Die Bundesregierung will Deutschland fit für die Künstliche Intelligenz machen. Dazu hat das Kabinett jetzt Eckpunkte einer Strategie beschlossen. Gesundheit ist ein zentrales Thema. mehr »

Oft wird gechattet mit dem Arzt

Das bundesweit beachtete Telemedizin-Modellprojekt DocDirekt in Baden-Württemberg kommt gut an, berichtet die KV. Besonders Männer nutzten das Angebot zur Fernbehandlung bisher. mehr »