Ärzte Zeitung online, 05.02.2017
 

Ernährungsbericht

Immer mehr Dicke – vor allem unter den Männern

Übergewicht wird bei Erwachsenen in Deutschland immer mehr zum Normalzustand. Vor allem die Männer legen zu. Das geht aus dem aktuellen Ernährungsbericht hervor. Gute Nachrichten gibt es allerdings beim Nachwuchs.

Positive Entwicklung bei Schulkindern

Fast 60 Prozent der erwachsenen Männer haben Übergewicht – am Ende des Berufslebens sind es sogar 74 Prozent.

© Kurhan / Fotolia Bild: dicke

BERLIN. Der Anteil übergewichtiger und adipöser Schulanfänger stagniert und ist in einzelnen Bundesländern sogar leicht rückläufig. Das zeigt sich im 13. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Je nach Bundesland liegt der Anteil übergewichtiger Kinder zwischen 8,2 und 12 Prozent. Davon sind 2,8 bis 5,3 Prozent adipös. Die niedrigsten Werte haben Schulanfänger in Bayern und Baden-Württemberg.

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Fehlende Gesamtstrategie

Unter den Erwachsenen hat die Zahl der Übergewichtigen hingegen zugenommen. 59 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen haben den DGE-Daten zufolge einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 25. "Das Dicksein ist heute keine Ausnahme mehr, sondern vielmehr der Normalzustand", heißt es.

Männer legen mit dem Alter deutlich an Gewicht zu. Zwischen 18 und 40 Jahren sind es im Durchschnitt elf Kilo. Am Ende des Berufslebens sind 74,2 Prozent der Männer übergewichtig, bei den Frauen liegt der Anteil bei 56,3 Prozent. Als besorgniserregend stufen die DGE-Experten die Zunahme der Adipositas ein. Laut DGE-Report ist der Anteil der adipösen Männer von 1999 bis 2013 um 40 Prozent, der adipöser Frauen um 24,2 Prozent gestiegen. Unter den 65-Jährigen hat der Anteil der Männer mit einem BMI über 40 im selben Zeitraum sogar um 300 Prozent, bei den Frauen um 175 Prozent zugenommen.

Das Erstaunliche: Der Lebensmittelverbrauch an sich weist eigentlich positive Trends auf: Danach essen die Deutschen Mehr Gemüse, Beeren- und Schalenobst und trinken mehr Mineralwasser. Allerdings:  "Viele Erwachsene bewegen sich zu wenig und essen zu viele energiereiche Lebensmittel", sagte Professor Helmut Heseker, ehemals Präsident der DGE. Er kritisierte, dass ungesunde Lebensmittel oftmals preiswert sind und nahezu überall angeboten werden. "Dies macht es schwer, normalgewichtig zu bleiben", sagte Heseker.

Gestiegene Problemwahrnehmung bei Kindern

Als Ursachen für den positiven Trend bei Kindern und Jugendlichen nennen die DGE-Experten eine "gestiegene Problemwahrnehmung" in der Gesellschaft sowie "ernährungspolitische Maßnahmen" im Bereich der Kita- und Schulverpflegung. In sieben von 16 Bundesländern – darunter auch Baden-Württemberg – wurde in den vergangenen Jahren eine Vernetzungsstelle für Kita-Verpflegung etabliert. Diese Stellen beraten die Kitas zur Ernährung, informieren über die DGE-Qualitätsstandards zur kindgerechten Verpflegung und unterstützen bei deren Einführung. Eine DGE-Studie von 2016 hatte ergeben, dass die Kita-Speisepläne mit der Einführung der DGE-Standards abwechslungsreicher und gesünder werden. Laut DGE wurden 2016 rund drei Millionen Kinder in Kitas betreut, mehr als zwei Millionen davon erhalten dort auch ein Mittagessen.

Im aktuellen Ernährungsbericht kritisieren die DGE-Experten, dass einerseits die Anforderungen an die Kita-Leitungen gestiegen sind, andrerseits jedoch entsprechende Ressourcen für die Einrichtungen fehlten. Beispielsweise würden die meisten Bundesländer keine Standards für die personelle, räumliche und finanzielle Ausstattung vorsehen. Zugleich sei der Anteil der unter Dreijährigen und somit der Bedarf an ernährungsphysiologischem Wissen in den vergangenen Jahren gewachsen. (wer/dpa)

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