Ärzte Zeitung online, 19.07.2018

GBA-Beschluss

Einladung zum Screening kommt 2019

Systematisches Einladungsverfahren und Senkung des Alters auf 50 Jahre für Männer und Frauen – der GBA hat die Darmkrebsfrüherkennung reformiert.

Einladung zum Screening kommt 2019

Fünf Jahre nach dem Gesetzesauftrag hat die Selbstverwaltung nun die Reform der Darmkrebsfrüherkennung beschlossen.

© SP-PIC / stock.adobe.com

BERLIN. Gemäß einem Auftrag aus dem 2013 verabschiedeten Gesetz zur Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung hat der Gemeinsame Bundesausschuss am Donnerstag eine Reform des Darmkrebsscreenings beschlossen. Die Richtlinie soll nach Genehmigung durch das Bundesgesundheitsministerium voraussichtlich zum 1. Oktober in Kraft treten – umgesetzt werden kann sie allerdings erst nach Abschluss einer neuen Vergütungsvereinbarung im EBM, für die KBV und GKV-Spitzenverband sechs Monate Zeit haben. Wirksam werden die Neuregelungen zum 1. Juli 2019.

Ein wesentlicher Bestandteil der Reform ist die Einführung eines organisierten Screening-Programms, in dem Anspruchsberechtigte eine regelmäßige Einladung zur Darmkrebsfrüherkennung und die damit verbundenen Untersuchungen erhalten.

Fundament: neue Daten

Auf Basis neuerer wissenschaftlicher Daten hat der Bundesausschuss das Alter für anspruchsberechtigte Männer und Frauen von 55 auf 50 Jahre gesenkt. Die Patientenvertreter im Bundesausschuss hatten eine Senkung des Alters auf 45 Jahre für Männer gefordert. Dies wurde jedoch von den Bänken der Leistungserbringer und der Kassen abgelehnt.

Im Einzelnen sind dabei folgende Leistungen vorgesehen:

  • Männer und Frauen zwischen 50 und 54 Jahren haben einen jährlichen Anspruch auf einen immunologischen Test auf Blut im Stuhl.
  • Bei einem auffälligen Stuhltest besteht der Anspruch auf eine Abklärungskoloskopie.
  • Ansonsten haben Männer ab 50 einen Anspruch auf zwei Koloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren. Wird das Angebot erst ab dem Alter von 65 Jahren wahrgenommen, erstattet die Kasse eine Koloskopie. Frauen haben einen Anspruch auf die Koloskopie ab 55 Jahren.
  • Männer und Frauen haben ab 55 Jahren einen Anspruch auf den iFOBT-Test alle zwei Jahre, sofern noch keine Früherkennungskoloskopie gemacht worden ist.
  • Familiäres Risiko nicht eingeschlossen

    Entgegen der Forderung der Patientenvertretung wurde die besondere Berücksichtigung eines familiären Risikos für Darmkrebs nicht in die neuen Richtlinien aufgenommen. Dazu soll zunächst ein jetzt startendes Projekt, das vom Innovationsfonds des GBA finanziert wird, mit seiner Evaluation abgewartet werden. Ergebnisse werden 2020/21 erwartet.

    Als Folge des systematisierten Einladungsverfahrens erwartet der GBA-Vorsitzende Josef Hecken einen signifikanten Anstieg der Inanspruchnahme der Darmkrebsfrüherkennung. Derzeit liegt die Rate bei zwölf bis 15 Prozent; aufgrund von Erfahrungen im Saarland sei eine Quote von 25 bis 35 Prozent. Hecken: "Ich hoffe, es wird richtig teuer."

    Unzufrieden mit dem GBA-Beschluss ist die Felix-Burda-Stiftung. Deren Vorsitzende Christa Maar kritisiert, dass der GBA nicht der gemeinsamen Empfehlung der Fachgesellschaften gefolgt ist, der Einladung einen zertifizierten iFOBT und einen frankierten Rückumschlag beizulegen. Vorgeschlagen wurde, Anspruchsberechtigten eine Liste der zur Vorsorgekoloskopie zugelassenen Ärzte zur Verfügung zu stellen und sechs Wochen nach Einladung ein Erinnerungsschreiben zu schicken. (HL)

    Wir haben den Artikel aktualisiert am 20.7.2018 um 16:27 Uhr.

    Dieser Beitrag wurde am 24.7.2018 um 12:30 Uhr korrigiert. In der vorherigen Fassung hieß es, dass nur für Männer das Alter auf 50 Jahre für eine mögliche Inanspruchnahme eines Tests aufs okkultes Blut im Stuhl gesenkt wurde. Tatsächlich gilt dies auch für Frauen.

    Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
    Ausgebremster Fortschritt beim Darmkrebs-Screening

    Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
    [19.07.2018, 19:28:56]
    Dr. Thomas Georg Schätzler 
    GBA unfähig, hausgemachte Probleme zu erkennen!
    Die Gesetzlichen Krankenkassen der GKV haben die Mehrkosten für den verbesserten immunologischen fäkalen Test "iFOBT" zum Nachweis von okkultem Blut im Stuhl übernommenen. Dieser Test beruht auf dem immunologischen Nachweis von okkultem Blut (Synonym: fecal occult blood test – FOBT; präziser immunologischer FOBT = iFOBT).

    Jetzt sollten endlich auch die Richtlinien geändert werden:
    Denn es ist ein dilettantischer Anachronismus, dass die Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) über die Früherkennung von Krebserkrankungen (Krebsfrüherkennungs-Richtlinie / KFE-RL) an keiner Stelle erwähnen, dass es in über 98% aller Fälle zum Ausschluss von Krebserkrankungen und damit zur entlastenden Primärprävention von Tumorkrankheiten für unsere Patientinnen und Patienten im Sinne einer echten Vorsorge kommt. Und es nur in unter 2% zu einer Früherkennung von möglichen Tumorerkrankungen kommen kann.

    Beim Mann das absolute Richtlinien-Chaos!
    - Ab 35 Jahren Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchungen alle 2 Jahre.
    - Ab 45 Jahren Genital- und Prostata-Untersuchungen 1x jährlich.
    - Ab 50 Jahren iFOBT-Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen 1x jährlich.
    - Mit 55 und 65 Präventiv-Koloskopie; alternativ dazu iFOBT alle 2 Jahre.
    - Keine verbindlich evaluierten PSA- oder CEA-Testungen.

    Bisher also nur vom 50. bis 55. Lebensjahr 1 x jährlich iFOBT für Frauen und Männer. Für diejenigen ab 55 Jahren, die k e i n e Präventivkoloskopie machen lassen wollen, soll dann nur noch alle 2 Jahre ein iFOBT-Test durchgeführt werden: Obwohl Darmkrebs-Prävalenz und –Inzidenz in dieser Altersgruppe gerade dann am stärksten ansteigen? Das ist doch zugleich der entscheidende Grund für die beiden Vorsorge Koloskopien!

    Mit 55 die erste Präventivkoloskopie und mit 65 Jahren die zweite durchgeführt, senken Morbidität und Mortalität signifikant. Doch warum behindert man bei Koloskopie-Verweigerern zugleich die Darmkrebs-Frühdetektion mit aktiver Ausdünnung der Vorsorge- und Früherkennungs-Intervalle?

    Meines Wissens müssen diese, unsere Patienten gefährdenden, völlig unlogischen Widersprüche insbesondere vom GBA selbst endlich thematisiert und aufgeklärt worden.

    Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
     zum Beitrag »

    Schreiben Sie einen Kommentar

    Überschrift

    Text

    Die Newsletter der Ärzte Zeitung

    Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

    NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

    Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

    Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

    Auf Zungenküsse besser verzichten?

    Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

    Demenz in D-Moll

    Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »