Ärzte Zeitung online, 04.09.2019

Berufskrankheit Hautkrebs

Ärzte fordern eine Siesta für Bauarbeiter und Co.

Hautkrebs ist in Deutschland auf dem Vormarsch: Es gibt immer mehr Erkrankte und Fälle, die als Berufskrankheit anerkannt werden. Dermatologen fordern: Es müssen Konsequenzen aus diesem Trend gezogen werden.

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Das Sonnenlicht wird unterschätzt, warnen Dermatologen – und raten Menschen, die im Freien arbeiten, sich ausreichend zu schützen. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) registrierte im ersten Halbjahr 2019 schon 1400 neue Verdachtsfälle auf Hautkrebs als Berufskrankheit.

© Thomas Lucks / BG BAU

HANNOVER. Immer mehr Bundesbürger erkranken an Hautkrebs. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren rapide gestiegen. Hautärzte schlagen deswegen Alarm und fordern größere Präventionsanstrengungen.

„Das Sonnenlicht wird unterschätzt. UV-Strahlung ist ein krebsauslösender Stoff wie zum Beispiel Lösungsmittel oder Pestizide“, sagte apl. Professor Christoph Skudlik vom Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation an der Universität Osnabrück.

Häufige Berufskrankheit

Die tolerierbare Dosis werde bei im Freien tätigen Menschen wie Bauarbeiter regelmäßig überschritten. Hautkrebs ist seit 2015 als Berufskrankheit anerkannt. Allein der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) wurden 2018 knapp 2944 neue Verdachtsfälle gemeldet, im ersten Halbjahr 2019 waren es schon etwa 1400 Meldungen.

Hauterkrankungen zählten 2018 zu den häufigsten bestätigten Berufskrankheiten in Deutschland – noch vor Lärmschwerhörigkeit und durch Asbest bedingte Krankheiten, berichtete der Spitzenverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) am Dienstag. Die Analyse zeigte: 4255 der gut 38.000 Fälle betrafen hellen Hautkrebs.

„Über Siesta nachdenken“

Dermatologen fordern, dass Konsequenzen aus diesem Trend gezogen werden müssen. „Wir müssen die Arbeitszeiten verändern und über eine Siesta nachdenken“, sagte Dr. Ralph von Kiedrowski, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD).

Maurer in den Mittelmeer-Ländern bekommen laut einer Studie nicht wesentlich mehr UV-Strahlung ab als in Deutschland, vermutlich weil sie zwischen 11 und 16 Uhr eine lange Mittagspause machen.

Malignes Melanom: Mehr Diagnosen

Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 300.000 Neudiagnosen von Hautkrebs jährlich, davon betreffen laut BVDD etwa 23.000 Fälle schwarzen Hautkrebs.

Zahlen des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut (RKI) belegen, dass das maligne Melanom in den vergangenen Jahren in Deutschland immer häufiger diagnostiziert wurde: 11.997 Fälle waren 1999 registriert worden, 15 Jahre später standen 21.230 Neuerkrankungen zu Buche (siehe nachfolgende Grafik).

Nach einer Auswertung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) ist die Zahl ihrer Versicherten, die zwischen 2006 und 2016 wegen Hautkrebs in ärztlicher Behandlung waren, stark gestiegen: beim schwarzen Hautkrebs bundesweit um 108 Prozent, beim weißen Hautkrebs sogar um 160 Prozent. (dpa/ths)

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