Ärzte Zeitung online, 12.12.2018

Zugang Psychotherapie

Spahn bereit für weitere Gespräche

Spahn bereit für weitere Gespräche

Will den Zgang zur Psychotherapie besser steuern: Gesundheitsminister Jens Spahn.

© Wolfgang Kumm / dpa / picture alliance (Archivbild)

BERLIN. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat seine Pläne für eine bessere Steuerung beim Zugang zur Psychotherapie verteidigt. Im ARD-„Morgenmagazin“ wies er am Mittwoch daraufhin, dass in den Regionen mit den meisten Psychotherapeuten gleichzeitig die längsten Wartezeiten zu verzeichnen seien. „Das zeigt doch, dass da irgendwas in der Steuerung nicht so funktioniert, wie es soll.“

Er akzeptiere, wenn gesagt werde, in der Regelung im Gesetzentwurf passe noch nicht alles, „aber dann lasst uns doch darüber reden und beraten“, so Spahn.

Widerspruch kam direkt in derselben Sendung vom Koalitionspartner SPD: Fraktionsvize Professor Karl Lauterbach stellte klar, dass eine Art vorgeschalteter Gutachter zur Bewertung der Dringlichkeit der Behandlung mit seiner Partei nicht zu machen sei.

Psychische Erkrankungen bescheren über 100 Millionen Fehltage

Dass es in Deutschland offenbar einen großen Bedarf an Psychotherapie gibt, zeigen einem „Bild“-Bericht zufolge neue Zahlen aus dem Bundesarbeitsministerium. Demnach fehlten im vergangenen Jahr an 107 Millionen Tagen Arbeitnehmer infolge psychischer Erkrankungen. Zehn Jahre zuvor habe die Fehlzeit noch 48 Millionen Tage betragen. (bar/ths)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Nicht noch mehr Bürokratie!

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[14.12.2018, 10:28:26]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Psychotherapie - Terra incognita für den Bundesminister für "Gesundheit"?
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) belegt mit seinen Plänen zur Neuregelung bei psychotherapeutischen Behandlungen, dass er und seine Medizin-bildungsfernen Einflüsterer keine Ahnung vom bisherigen Procedere zwischen Haus- und Familienärztinnen/ärzten bzw. psychologischen Psychotherapeuten/-innen haben. Im primärmedizinischen Bereich gibt es ein abgestuftes, bewährtes Gutachten-Verfahren doch schon längst!

Überweisung an einen Vertragsarzt zur Abklärung somatischer Ursachen vor Aufnahme einer Psychotherapie (Muster 7) und der Konsiliarbericht vor Aufnahme einer Psychotherapie (Muster 22). http://www.kbv.de/html/27068.php

Als Haus- und Familien-Mediziner fülle ich Muster 22 fast täglich aus. Die Überweisung nach Muster 7 kommt selten vor, weil meine Patientinnen und Patienten vor Aufnahme einer Psychotherapie grundsätzlich körperlich komplett von mir und von den somatisch tätigen Fachkollegen untersucht und differenzialdiagnostisch abgeklärt wurden.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[12.12.2018, 20:27:13]
Dipl.-Psych. Götz Braun 
Zahlen mögen das Eine sein....
schaut man sich jedoch die Entwicklung um die strukturelle Situation der Psychotherapie vor und nach 2000 an (Inkrafttreten des PTG) so muss man feststellen, dass vor 2000 die Psychotherapie in der Einbettung in die ambulante Versorgung zunehmend bessergestellt wurde, hinzu kam 1999 das zunächst wichtige BSG-Urteil zum Honorar. Diese massive Verbesserung in der KV-Struktur und dem Honorar war einzig und allein der Arbeit eines Berufsverbandes zu verdanken. Ab 2000 dann haben sich zunächst alle berufspolitisch aktiven Verbände, auch der eben noch gelobte, gegenseitig jahrelang bekämpft und haben alle Inhalte hintenangestellt. Parallel haben KVen und Kassen äußerst erfolgreich gemeinsam am erneuten Honorarniedergang der Psychotherapeuten gearbeitet, sodass jenes Urteil von 1999, das damals als Rettung galt heute zur Geißel wurde. Schon ein Hohn, dass die Berufsverbände dann auch noch aufriefen, in Berlin für die Umsetzung dieses Urteils demonstrieren.
Wie konnte das passieren? Nachdem die Verbände die Hackordnung geklärt hatten, haben die Vorstände der Verbände es verstanden sich im System von Kassen, KVen und KBV in einem durchaus vergoldeten Nest einzunisten. "Hier bin ich nun und da geh ich auch nicht mehr weg", …… gleichgültig wie sinnlos oder gar schädlich mein Nichtstun für den Rest der Psychotherapeutenschaft auch sein mag.
Es sind unsere Berufsverbände, die seit bald 20 Jahren den sich stetig verschlechternden Rahmenbedingungen der Psychotherapeuten nur noch hinterherlaufen anstatt sinnvoll zu agieren, um zwei Dinge zu erreichen: 1. Die Verbesserung des Honorars und 2. daraus folgend die Verbesserung der Versorgung.
Das Erstere bedingt letzteres, da mit dem gegenwärtigen Honorar bei korrekter Praxisausstattung der Gewinn nicht einmal eine Einzelperson noch ernähren kann. Das hat zur Folge, dass es eine Großzahl an Nebenerwerbspraxen gibt, die den Versorgungsauftrag natürlich nicht erfüllen können.
Nein schuld ist nicht Herr Spahn, schuld sind die Vorstände der Berufsverbände, jene nach 2000 und natürlich die teils personalgleichen Heutigen. Solange diese Vorstände von ihren Mitgliedern wieder und wieder gewählt werden, wird der Niedergang der Psychotherapie fortschreiten. Und das ist meine Prognose: über die Jahre hinweg so unattraktiv werden, dass sie aussterben wird.
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[12.12.2018, 16:01:38]
Dr. Tilmann Müller 
Falsch informierter Spahn
Es fragt sich, auf welcher Datengrundlage Herr Spahn zu seiner Aussage kommt, "dass
in den Regionen mit den meisten Psychotherapeuten gleichzeitig die längsten Wartezeiten zu verzeichnen seien". Zwei Untersuchungen der Bundespsychotherapeutenkammer 2011 und 2018 kommen zu genau dem entgegengesetzten Ergebnis. Stellt sich die Frage, ist der Herr Minister einfach falsch informiert oder hat er einfach ein politisches Interesse, falsche Fakten zu verbreiten.
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[12.12.2018, 15:37:27]
Dr. Detlef Bunk 
Herr Spahn und der Gesundheitsmarkt
Herr Spahn hat nicht verstanden, dass das Gesundheitswesen NICHT wie ein Warenmarkt funktioniert: Sinkt dort die Nachfrage bei steigendem Angebot, erhöht sich hier bei größerem Versorgungsangebot die Inanspruchnahme, deren Dringlichkeiten in Sprechstunden geregelt werden können.
Herr Spahn bedient plakativ Vorurteile und Laiensichtweisen ohne Hintergrundwissen der Gesundheitsversorgung. Er zeigt seine außergewöhnliche gesundheitspolitische Kompetenz.
Dr. Detlef Bunk
psychol. Psychotherapeut, Essen zum Beitrag »

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