Ärzte Zeitung, 11.07.2012

Sterbehilfe-Gesetz sorgt für weniger Tote

Sorgt die legalisierte Sterbehilfe dafür, dass die Zahl der Fälle steigt? Kritiker äußern immer wieder diese Befürchtung. Doch jetzt zeigt eine Studie aus den Niederlanden: Das genaue Gegenteil ist der Fall.

Trotz Legalisierung kein Anstieg bei Sterbehilfe

Eine Tablette für den Tod: In den Niederlanden hat die Zahl der Sterbehilfe-Fälle nicht zugenommen.

© Becker&Bredel / imago

LONDON (dpa). In den Niederlanden hat die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe einer Studie zufolge nicht zu einem Anstieg solcher Fälle geführt.

Bei weniger als drei Prozent aller Todesfälle 2010 waren aktive Sterbehilfe oder ärztliche Hilfe bei der Selbsttötung die Ursache.

Dies entspreche den Zahlen vor der Legalisierung im Jahr 2002, berichten Wissenschaftler der Universitätskliniken in Rotterdam und Amsterdam (The Lancet 2012; online 11. July).

Die Ergebnisse widerlegen demnach auch Befürchtungen von Kritikern, dass durch die Legalisierung mehr Patienten gegen ihren Willen getötet würden.

Erstes Land mit einem Sterbehilfegesetz

"In den Niederlanden hat das gerade deutlich abgenommen", betont Professor Bregje Onwuteaka-Philipsen von der Freien Universität Amsterdam.

Im Jahr 2010 wurde demnach das Leben von dreizehn Patienten ohne deren ausdrückliche Zustimmung beendet, 1990 waren es 45. Die befürchtete Euthanasie gegen den Willen Betroffener hat also nicht statgefunden.

Die Niederlande hatten 2002 als erstes Land der Welt ein Sterbehilfegesetz verabschiedet.

Danach ist Sterbehilfe und ärztliche Hilfe bei der Selbsttötung nicht strafbar, wenn ein Patient aussichtslos krank ist und unerträglich leidet sowie mehrfach und ausdrücklich um Sterbehilfe gebeten hat.

Ein zweiter Arzt muss konsultiert und jeder Fall bei regionalen Prüfungskommissionen gemeldet werden. 77 Prozent aller Fälle von Sterbehilfe würden tatsächlich gemeldet, ergab die Studie.

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[12.07.2012, 13:38:39]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Mehr Todesfälle durch aktive Sterbehilfe?
Die Daten des niederländischen Statistikamtes vom 11. Juli 2012 sprechen eine andere Sprache. Demnach sei die aktive Sterbehilfe in den vergangenen Jahren häufiger geworden. Im Jahr 2010 sei bei 3.800 Personen aktive Sterbehilfe durch die Verordnung oder Verabreichung eines tödlichen Medikaments geleistet worden. 2,8 % aller Todesfälle 2010 seien auf aktive Sterbehilfe zurückzu­führen. 2005 habe der Anteil bei 1,7 %, entsprechend 2.300 Fälle, gelegen.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit palliativer Schmerz- und Symptombekämpfung sei auf 50.000 angestiegen; entsprechend 36 P% aller Todesfälle 2010. 2005 seien rund 34.000 Todesfälle (25 %) darauf zurückzuführen gewesen. Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50847

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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