Ärzte Zeitung online, 03.11.2015

TV-Kritik

Von Normen und der Ethik des Einzelfalls

Bei "Hart aber fair" wurde um das Für und Wider eines Gesetzes zur Sterbehilfe gerungen.

"Sterbehilfe - von den Bürgern gewollt, vom Staat verboten?": Die 75 Minuten der Talkshow "Hart aber fair" am Montagabend erlaubten kaum mehr als ein Schlaglicht auf das Thema. Der Grundkonflikt, ob der Staat per Strafrecht ethische Grenzkonflikte am Lebensende regeln kann, wurde aber transparent.

Vom Staat verboten -  das zielte auf die SPD-Politikerin Kerstin Griese. Sie hat einen Gesetzentwurf mit initiiert, mit dem geschäftsmäßige Sterbehilfe verboten werden soll. Es sei "unanständig, ein Geschäft mit dem Tod zu machen", so Griese.

Gleiche Begriffe meinen nicht dasselbe

Alle Talkshowgäste nahmen Begriffe wie "Selbstbestimmung" oder "Autonomie" für ihre Position in Anspruch -  und meinten doch Verschiedenes. Etwa Selbstbestimmung a la Roger Kusch vom Verein "Sterbehilfe Deutschland", der nach eigenen Angaben bisher 162 Menschen den Suizid ermöglicht hat.

"Hilfe" gibt es für Sterbewillige vom Kusch-Verein bei einer Zahlung von 7000 Euro sofort. Wer nur weniger zahlen kann, muss warten. Verdient habe er an der Sterbehilfe noch nie, beteuerte er.

Was Kusch macht, sei ihm "nicht sympathisch" bekannte der SPD-Politiker Karl Lauterbach. Er spricht sich dafür aus, den ärztlich assistierten Suizid gesetzlich zu regeln, um so Leute wie Kusch überflüssig zu machen.

Es müsse abseits der Norm - dem Verbot der geschäftsmäßigen Suizidassistenz - Platz für Grenzfälle bleiben, mahnte der frühere EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider. Ob ein Gesetz diese Grenzfälle regeln kann und ob ein Verbot der organisierten Suizidassistenz noch Platz für Grenzfälle lässt, blieb offen. (Florian Staeck)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »