Ärzte Zeitung, 26.03.2013
 

Gender-Medizin

Noch in den Kinderschuhen

Frauen müssen oft anders behandelt werden als Männer. Es fehlen Studien zu Unterschieden der Geschlechter in der Therapie.

BERLIN. Geschlechtsspezifische Aspekte der Medizin werden auch unter Gesundheitspolitikern registriert.

"Ärzte müssen für Unterschiede in der Verordnung von Arzneimitteln sensibilisiert werden", sagte Annette Widmann-Mauz, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, auf dem 1. Bundeskongress für Gender-Gesundheit in Berlin.

So bauten Männer und Frauen Arzneimittel im Körper unterschiedlich ab, merkte Professor Gerd Glaeske von der Universität Bremen an. Bisher wisse man aber noch zu wenig über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der Medizin.

Vorhandene Daten, etwa aus Disease-Management-Programmen oder aus DRG-Daten, müssten daher unter Geschlechtergesichtspunkten ausgewertet werden. Seien Unterschiede eindeutig belegt, könnten Leitlinien differenzierte Empfehlungen für Männer und Frauen geben, so Glaeske.

"Geschlechtersensible Medizin ist keine Frauensache"

Welches Geschlecht weniger berücksichtigt wird, hängt von der Erkrankung ab. "Geschlechtersensible Medizin ist keine Frauensache", machte Professorin Marion Haubitz, Klinikum Fulda und Mitglied des Sachverständigenrates für Gesundheit, deutlich.

So seien von der Schmetterlingsflechte zwar in 90 Prozent der Fälle Frauen betroffen. Bei Männern verlaufe die Erkrankung aber aggressiver.

"Sie müssen doppelt so häufig zur Dialyse, die Sterblichkeit ist höher als bei den Frauen." Zudem sei für Ärzte die Diagnose von Männern schwieriger, weil sie andere Symptome zeigen können.

Auch Bereitschaftsdienste anders organsieren

Doch auch in der Berufspolitik werden Geschlechterunterschiede immer relevanter. "Inzwischen ist die Mehrheit der Medizinstudenten weiblich", sagte Dr. Regina Klakow-Franck vom Gemeinsamen Bundesausschuss.

Man sei also gezwungen, Arbeitsbedingungen an die veränderten Bedürfnisse von Ärztinnen anzupassen. "Nach der Residenzpflicht müssen wir die Präsenzpflicht in der Praxis angehen", sagte KBV-VizeRegina Feldmann.

Auch Bereitschaftsdienste müssten anders organisiert werden, um eine Niederlassung für junge Ärztinnen attraktiver zu machen. (jvb)

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