Ärzte Zeitung, 08.11.2013
 

Versorgung von morgen

Die Zukunft liegt in den Regionen

Im Gesundheitswesen geht kein Weg mehr an einer Regionalisierung vorbei. Experten warnen aber auch davor, Kommunen und Kreise mit neuen Aufgaben zu überfordern.

Von Angela Mißlbeck

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Wo geht's zum Arzt? Versorgung muss stärker auf regionaler Ebene gestaltet werden, sagen Experten.

© Jansen / dpa

BERLIN. Das deutsche Gesundheitswesen muss mehr als bisher auf regionaler Ebene gestaltet werden, wenn es den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sein will. Das ist das Fazit eines Symposiums der Robert-Bosch-Stiftung in Berlin.

Fest steht, dass dabei auch den Kommunen und Landkreisen neue Aufgaben zuwachsen. Wie das im Detail aussehen kann, darüber gehen die Meinungen jedoch auseinander.

"Es muss mehr Verantwortung in der Region vorhanden sein, aber ein ganz erheblicher Teil der Probleme resultiert aus Fehlsteuerung und Fehlanreizen. Das kann man nicht auf regionaler Ebene lösen", sagte Professor Ferdinand Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrats im Gesundheitswesen.

Der "Ärzte Zeitung" kündigte er an, dass der Rat das Thema Regionalisierung und regional unterschiedliche Versorgungsnotwendigkeiten im Rahmen eines Sondergutachtens näher untersucht.

Derzeit werden dazu unter anderem Landkreise befragt und internationale Modelle gesichtet. Das Gutachten soll im Juni 2014 vorliegen.

Damit sich in den Regionen etwas ändern kann, muss Gerlach zufolge an den bundesweiten Rahmenbedingungen geschraubt werden. Krankenhäuser in unterversorgten Regionen, die auch geriatrische Pflege, ein Medizinisches Versorgungszentrum, Mobilitätsdienste und Ähnliches anbieten, müssten gefördert werden.

"Solche Krankenhäuser müssen gefördert werden. Fakt ist, dass sie nach dem gleichen DRG-System bezahlt werden, wie die Kliniken in den Ballungsgebieten. Das ist unfair. Hier muss etwas geschehen", so Gerlach.

Mit Blick auf die regionale Gestaltung der Versorgung zeigte Gerlach sich überzeugt, dass "die Städte, Gemeinden und Landkreise viel Kompetenz haben und sich engagieren sollten". Er begrüßt Modellprojekte wie zum Beispiel die Gesundheitskonferenzen im Landkreis Reutlingen.

Landräte könnten Bedarfe und Probleme oft am besten einschätzen, weil sie Ansprechpartner der Bürger seien.

Der Gesundheitssachverständige warnte aber zugleich davor, den finanziell ohnehin teilweise überforderten Kommunen und Ländern noch mehr Aufgaben aufzubürden, ohne sie entsprechend auszustatten. Realistisch wäre aus seiner Sicht, wenn sie koordinierende Funktionen übernehmen.

Gerlach kritisierte auch, dass populationsorientierte Versorgungskonzepte noch zu selten sind. Für regionale Zusammenschlüsse von Ärzten, Krankenhäusern, Apothekern, Pflegediensten müssten entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden, forderte er.

Dazu setzt der Gesundheitsweise auf Selektivverträge. "Wir sollten wieder Schwung in die Integrierte Versorgung bringen", schlug er vor. Gefördert werden müssten vor allem sektorenübergreifende Modelle, die die Pflege berücksichtigen und Lösungen für strukturschwache und unterversorgte Regionen anbieten.

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