Ärzte Zeitung, 19.03.2015

Fortschritt in der Medizin

Kosten werden überschätzt

BERLIN. Der medizinisch-technische Fortschritt (MTF) wird in seiner Bedeutung für die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen überschätzt. Zugleich deuteten "viele Anzeichen auf positive Auswirkungen des MTFs sowohl auf die Gesundheit der Bevölkerung als auch auf die volkswirtschaftliche Entwicklung hin".

Zu diesem Ergebnis kommt das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag. Die Beratungsinstitution hat im Auftrag des Forschungsausschusses eine Expertise zum Thema "Technischer Fortschritt im Gesundheitswesen: Quelle für Kostensteigerungen oder Chance für Kostensenkungen?" vorgelegt.

Bislang werden in Studien 40 bis 60 Prozent der Ausgabensteigerungen im Gesundheitswesen auf den MTF zurückgeführt. Der Beitrag des MTF werde damit "systematisch überschätzt".

In Fallstudien untersuchen die Autoren, wie Innovationen etwa mit einem positiven Kosten-Nutzen-Verhältnis früher erkannt werden können, um deren zügige Verbreitung in der Versorgung zu fördern. Als ein Beispiel für ein günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis wird das DMP Diabetes Typ 2 angeführt.

Es habe den Versorgungsprozess und die -qualität verbessert. Allerdings gebe es im DMP noch ungenutzte Potenziale wie etwa die Förderung des Patientenselbstmanagements.

Bei Innovationen mit unklarem Kosten-Nutzen-Verhältnis bestehe die Herausforderung darin, die Evidenzbasierung in der realen Versorgung zu verbessern. So könne etwa die "bedingte Zulassung" von Arzneimitteln Anreize schaffen, valide Daten aus der Versorgungsforschung zu generieren.

Insgesamt müsse das Monitoring der Verbreitung von Innovationen verbessert werden, auch um Leistungen systematischer als bisher auch aus dem GKV-Leistungskatalog streichen zu können. (fst)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Europäische Impfwoche - Same procedure as last year!

Heute starten die Europäischen Impfwochen. Am Beispiel Masern werden beträchtliche Defizite in Deutschland deutlich - und dass es seit Jahren kaum Fortschritte gibt. mehr »

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen und Opposition weht scharfer Gegenwind. mehr »