Ärzte Zeitung online, 05.05.2018

Berlin

Geburtsplan für mehr Geburtshelfer

Der Babyboom in Berlin macht den Hebammenmangel offenbar. Mit einem Zehn-Punkte-Plan will das Land nun gegensteuern.

Von Julia Frisch

Geburtsplan für mehr Geburtshelfer

Mehr Hebammen: Der Zehn-Punkte-Plan, mit dem Berlin dies erreichen will, wurde an einem Runden Tisch entworfen. Mehr als 50 Vertreter verschiedener Interessen- und Berufsgruppen nahmen daran teil.

© Oliver Berg / dpa

BERLIN. "Die Suche nach einer Hebamme dauert länger als die Schwangerschaft". Unter dieser provokanten Überschrift hatte die FDP im Abgeordnetenhaus eine Aktuelle Stunde beantragt. Dass die Aussage nicht übertrieben ist, zeigte die Debatte. Alle Redner wie zum Beispiel die Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel wiesen auf den "fatalen Mangel" an Hebammen in Berlin hin. Dass die rot-rot-grüne Regierung jetzt mit einem Aktionsprogramm etwas ändern will, wurde zwar durch die Bank begrüßt. Die FDP-Fraktion bezeichnete es aber als Armutszeugnis, dass der Senat nach 400 Tagen im Amt es nur geschafft habe, eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen vorzulegen.

Der Zehn-Punkte-Plan, mit dem die Stadt für mehr aktive Geburtshelfer sorgen will, wurde an einem Runden Tisch entworfen, an dem mehr als 50 Vertreter verschiedener Interessen- und Berufsgruppen teilnahmen, darunter von Ärzten und Geburtskliniken. Ein wesentlicher Punkt des Aktionsprogramms betrifft den Ausbau der Ausbildungskapazitäten. Die drei Hebammenschulen in Berlin sollen die Zahl der Ausbildungsplätze bis 2020 um fast zwei Drittel erhöhen: von derzeit 202 auf 332 Plätze.

Mit 20 Millionen Euro will das Land ferner sechs Geburtskliniken dabei unterstützen, ihre Kreißsäle baulich zu erweitern. Außerdem sollen die Krankenhäuser sich auf Grundlage von Best-Practice-Modellen darüber Gedanken machen, wie die Arbeitsbedingungen für Hebammen verbessert werden können. Auch sind nach dem Aktionsplan Wege zu suchen, wie die Kliniken Beleghebammen bei den Haftpflichtprämien entlasten können.

Ergänzt wird das Programm unter anderem dadurch, dass die Bettenkapazitäten in der Geburtshilfe nach Bedarf flexibel, aber auch dauerhaft aufgestockt werden. Eine Online-Vermittlungsplattform, welche der Berliner Hebammenverband aufbauen will und die aus Lottomitteln gefördert wird, soll Schwangeren zudem helfen, schneller als bisher eine Hebamme zu finden.

Zwar ist die Zahl der registrierten Hebammen in Berlin in den vergangenen Jahren gestiegen, der Anteil der aktiven Hebammen jedoch gesunken. "Die Zahl der aktiven Hebammen hält mit dem Anstieg der Geburtenzahlen nicht Schritt", erklärt die Senatsverwaltung für Gesundheit in einer aktuellen Information. Vor zehn Jahren waren rund 700 freiberufliche Hebammen in Berlin registriert, 2016 waren es 1020. Zusammen mit den festangestellten Geburtshelfern belief sich die Zahl der Hebammen auf 1450, fast 38 Prozent mehr als 2007. Die Krux: Weniger registrierte Hebammen sind tatsächlich aktiv. Der Anteil der einsatzbereiten Geburtshelfer an den registrierten Hebammen betrug 2016 knapp 68 Prozent, ein Jahr zuvor waren es immerhin noch 75 Prozent.

In Berlin haben die Geburtszahlen das Babyboom-Niveau der 1960er-Jahre erreicht: 41 000 Kinder kamen 2016 zur Welt.

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