Ärzte Zeitung, 29.08.2016
 

Honorarbericht

Grundversorgende Fachärzte holen etwas auf

Der Honorarbericht beschäftigt sich in erster Linie mit Honorarumsätzen, nicht mit Überschüssen. Mit einem Kunstgriff ermittelt die KBV daraus Überschüsse aus vertragsärztlicher Tätigkeit. Das Ergebnis: ein moderates Plus von 1,9 Prozent.

Von Hauke Gerlof

Hohe Umsätze bedeuten nicht notwendigerweise auch hohe Gewinne - und Umsatzsteigerungen bringen nicht unbedingt auch Gewinnsteigerungen mit sich. Die Kosten spielen dabei auch eine Rolle. Darauf haben viele Leser angesichts des Honorarberichts 2014 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zu Recht hingewiesen.

Dass dies so ist, weiß natürlich auch die KBV. Zwar ist es nicht die Aufgabe des Honorarberichts, die Gewinnsituation in den Praxen zu analysieren. Dennoch nutzt die Körperschaft in den quartalsbezogenen Honorarberichten einen Kunstgriff, um auch einen Einblick in die Überschusssituation der Praxen zu vermitteln.

Zu diesem Zweck nimmt sie die Kostensätze der Fachgruppen aus den Praxispanels des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZiPP) und berechnet so die durchschnittlichen Kosten je Praxis. Die zieht sie vom durchschnittlichen GKV-Honorarumsatz der Fachgruppe ab und erhält so den Überschuss aus vertragsärztlicher Tätigkeit.

Methodische Schwächen

Methodisch bewegt sich die Honorarabteilung dabei auf dünnem Eis, da teilweise Kostensätze aus dem Praxispanel aus anderen Jahren genommen werden, als aus den Berichtsquartalen des Honorarberichts. Außerdem beziehen sich die Kostensätze auf die gesamte ärztliche Tätigkeit, nicht nur auf die Tätigkeit als Vertragsarzt.

Doch ändern sich die Kostensätze von Jahr zu Jahr nicht so stark. Insofern geben die Zahlen einen relativ zeitnahen Überblick über die (Teil-)Überschüsse in den Praxen, schneller jedenfalls als die ZiPP-Zahlen.

Die "Ärzte Zeitung" hat nun aus den vorliegenden Quartalsüberschüssen des Jahres 2014 die Jahresüberschüsse der wichtigsten Fachgruppen und die Veränderungsraten errechnet. Das Ergebnis: Die Überschüsse aus vertragsärztlicher Tätigkeit sind 2014 im Vergleich zu 2013 um 1,9 Prozent auf 107.763 Euro gestiegen. Die Veränderungsrate ist also exakt so hoch wie bei den Honorarumsätzen je Arzt.Das heißt im Umkehrschluss, dass die Kosten genau so schnell gestiegen sind wie die Umsätze aus Kassenhonorar.

Gastroenterologen an der Spitze

Unter den Facharztgruppen sind wie im Jahr zuvor (2013) die Internisten mit Schwerpunkt weit vorne gelandet. So verzeichneten die Gastroenterologen mit 164.633 Euro im Jahr 2014 den höchsten Überschuss aus vertragsärztlicher Tätigkeit (plus 2,4 Prozent), gefolgt von den Pneumologen mit 149.369 Euro (minus 0,7 Prozent) und den Kardiologen mit 141.802 Euro (minus 0,9 Prozent).

Bei Internisten mit anderen Schwerpunkten wie Hämatologen/Onkologen und Nephrologen gab es nicht für jedes Quartal belastbare Zahlen. Internisten ohne Schwerpunkt kamen auf 134.092 Euro (plus 5,7 Prozent).

Am anderen Ende der Skala liegen weiterhin die ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten. Sie erzielten mit 52.178 Euro mit Abstand den geringsten Überschuss aus vertragspsychotherapeutischer Tätigkeit bei einem marginalen Wachstum von 1,2 Prozent. Fast 40.000 Euro darüber liegen die Psychiater mit 91.591 Euro. Die Proteste der Psychotherapeuten im vergangenen Jahr werden vor dem Hintergrund dieser Zahlen und auch der geringen Dynamik verständlich.

Allgemeinärzte und hausärztliche Internisten liegen mit einem Überschuss von 109.689 Euro (plus 1,95 Prozent) ziemlich im Mittelfeld. Etwas aufgeholt haben dagegen die grundversorgenden Fachärzte wie Dermatologen (plus 5,2 Prozent), HNO (plus 4,9 Prozent) und die Gynäkologen (plus 4,1 Prozent), die teilweise erstmals über 100.000 Euro Überschuss aus vertragsärztlicher Tätigkeit gekommen sind oder nur noch knapp darunter liegen.

Einen Sonderfall bilden die Augenärzte mit Überschüssen von 127.577 Euro (plus 5,2 Prozent). Die Unterschiede zwischen den konservativen und den operativ tätigen Ophthalmologen werden durch den Durchschnitt aus beiden Gruppen verdeckt.

Wie hoch die durchschnittlichen Überschüsse insgesamt sind, liegt am Ende natürlich auch am Privatanteil, und der kann je nach Fachgruppe erheblich sein. So liegen die Dermatologen bei einem Überschuss aus vertragsärztlicher Tätigkeit mit 100.565 Euro im unteren Mittelfeld. Bei den Überschüssen insgesamt, dürfte es in der Summe angesichts eines durchschnittlichen Privatanteils von fast 50 Prozent (Kostenstrukturanalyse von 2011) weit besser aussehen - wobei das dann natürlich wieder vom Standort der Praxis abhängt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

FDP-Chef gibt den "Bastafari" – Steinmeier gegen Neuwahlen

Die FDP ist aus den Jamaika-Gesprächen ausgestiegen. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier erteilt schnellen Neuwahlen eine Absage. KBV-Chef Gassen fordert Tempo. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »