Ärzte Zeitung online, 09.03.2017
 

Notfalldienst

Mit dem richtigen Zuschlagskürzel sind Sie dabei

Die Abrechnung nach GOÄ bei Notfallpatienten in der Nacht oder am Wochenende wirft immer wieder Fragen auf. Gerade für den organisierten Notfalldienst ist vielen Ärzten unklar, was sie berechnen dürfen. Außerdem gilt es, die richtigen Zuschlagskürzel zu notieren.

Von Peter Schlüter

Mit dem richtigen Zuschlagskürzel sind Sie dabei

Kassen- oder Privatpatient? Bei der Abrechnung im Notfalldienst gelten unterschiedliche Ansätze.

© Michael Reichel / dpa

Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) kennt keine gesonderten Ziffern für den organisierten Notfalldienst, so wie es im EBM geregelt ist. Zur Erinnerung: Bei Kassenpatienten kommen unter anderem die Notfallpauschalen je nach Zeitpunkt der Beanspruchung (EBM-Nummern 01210-01218, statt der Versicherten- oder Grundpauschalen) zur Abrechnung. Ab April gelten übrigens neue Regeln der Abrechnung, unter anderem mit Schweregrad-Zuschlägen.

In der GOÄ dagegen sind auch in der Nacht und am Wochenende oder an Feiertagen die Regeln der Einzelleistungsvergütung wirksam. Hier werden zu den erbrachten Leistungen stattdessen einfach Zuschläge angesetzt – eine ziemlich komplexe Angelegenheit.

Bei diesen Zuschlägen in der Versorgung eines privat krankenversicherten (PKV) Patienten stellt sich vor allem die Frage nach dem Zeitpunkt, zu dem der Patient behandelt wird. Ob der Patient nun in einen von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) organisierten Notfalldienst kommt, einen kollegialen Notfalldienst in Anspruch nimmt, oder ob der Kontakt bei einem Vertretungsarzt stattfindet (kollegiale Urlaubsvertretung), spielt für die Berechnung der Zuschläge indes keine Rolle.

Zuschläge von A bis D zur Auswahl

  • Basiszuschlag: Kommt im organisierten Notfalldienst ein Privatpatient zu Ihnen, so rechnen Sie zur Beratung beziehungsweise Untersuchung grundsätzlich den Zuschlag "A" (außerhalb der Sprechstunde) ab. Das gilt natürlich auch dann, wenn Sie dabei in der eigenen Praxis arbeiten.
  • Abend- und Früh-Zuschlag: Findet die Inanspruchnahme in der Zeit zwischen 20 Uhr und 22 Uhr oder 6 Uhr und 8 Uhr statt, ist der Zuschlag nach Buchstabe "B" zu berechnen.
  • Nachtzuschlag: für den Zeitraum zwischen 22 Uhr und 6 Uhr gibt es den Zuschlag "C".
  • Wochenendzuschlag: Am Wochenende, das heißt, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen wird der Zuschlag "D" angesetzt. Aber Vorsicht, hier gilt eine Besonderheit: Der Zuschlag kann zwar am Samstag auch dann abgerechnet werden, wenn eine reguläre Sprechstunde stattfindet. In diesen Fällen ist der Zuschlag D jedoch nur mit dem halben Gebührensatz berechnungsfähig.
  • Kleinkind-Zuschlag: Für die Behandlung von Kindern bis zum vollendeten 4. Lebensjahr kann zusätzlich der Zuschlag "K1" berechnet werden. Im Gegensatz zu den anderen Zuschlägen dieses Abschnittes, darf der Zuschlag "K1" jedoch nur zu Untersuchungen nach den GOÄ-Ziffern 5, 6, 7 oder 8 berechnet werden, nicht jedoch zu Beratungsleistungen.

Für die Zuschläge gelten verschiedene grundsätzliche Regelungen. So darf im Zusammenhang mit einer Inanspruchnahme ein Zuschlag nur einmal berechnet werden. Das heißt: Wenn Sie im Notdienst einen Patienten an einem Mittwochnachmittag untersuchen und beraten, können Sie den Zuschlag nach Buchstabe "A" nur neben der Beratung oder der Untersuchungsleistung berechnen. Zudem sind die Zuschläge insgesamt nur mit dem einfachen Satz zu berechnen. Hier finden also Paragraf 5 und die Faktorsteigerung keine Anwendung.

"DCK1" – Zuschläge in Kombination

Auch wenn die Zuschläge pro Sitzung nur einmal berechnungsfähig sind, gibt es Kombinationsmöglichkeiten. Diese sind ebenfalls unabhängig davon, ob Sie im ärztlichen Notfalldienst tätig werden. Werden Sie von einem Patienten an Samstagen, Sonn- oder Feiertagen in der Zeit zwischen 20 Uhr und 8 Uhr in Anspruch genommen, ist neben dem Zuschlag "D", entsprechend der Uhrzeit der Inanspruchnahme, ein Zuschlag nach e B oder C berechnungsfähig. Zuschlag B wäre zu berechnen bei einer Inanspruchnahme zwischen 20 Uhr und 22 Uhr, sowie zwischen 6 Uhr und 8 Uhr. Der Zuschlag nach "C" ist für die Inanspruchnahme zwischen 22 Uhr und 6 Uhr zu berechnen. Für die Behandlung eines Kindes käme noch der Zuschlag "K1" zur Anwendung.

DCK1 wäre somit keine Bezeichnung für eine Basensequenz in der DNA, sondern würde vielmehr die Untersuchung eines Kindes in der tiefen Wochenendnacht dokumentieren.

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