Ärzte Zeitung online, 28.02.2017
 

Hessen

KV findet drastische Worte gegen Kritik an neuer Abklärungspauschale

FRANKFURT AM MAIN. Dicke Luft in Hessen: Die Kassenärztliche Vereinigung ärgert sich über eine Pressekonferenz, zu der das Sana Klinikum Offenbach am Mittwochvormittag eingeladen hat.

Fünf Leiter verschiedener Notaufnahmen wollen über die neue Abklärungspauschale berichten, die Krankenhäuser ab April für Patienten erhalten sollen, die mit Bagatellerkrankungen in der Notaufnahme aufschlagen, obgleich sie in die ambulante Versorgung gehören.

Die Pauschale (EBM-Ziffern 01205 und 01207) ist mit 45 Punkten an Wochentagen und 80 Punkten an Wochenenden, in der Nacht und feiertags dotiert. Wie allgemein verlautet, wird das von Kliniken als viel zu gering erachtet.

In der Ankündigung des Pressegesprächs heißt es nun, die bevorstehenden "Kurz-Checks" bedeuteten eine "akute Gefahr für das Leben von Notfallpatienten".

Unterdessen weist die KV Hessen die Kritik an der neuen Abklärungspauschale in ungewöhnlich drastischen Worten zurück. Die Kliniken, heißt es, hätten in den vergangenen Jahren den "Grundsatz ambulant vor stationär konsequent unterlaufen, indem sie sich immer mehr in der ambulanten Versorgung breit gemacht haben".

Die Attacke gegen die Abklärungspauschale sei ungerechtfertigt, zumal sie auf Drängen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) in den EBM aufgenommen wird. Die DKG jedoch hätte "150 Euro für alle Fälle gefordert, also auch für Schnupfen und Fußpilz", moniert die KV. Das werde "bei der laufenden Desinformation von Seiten der Krankenhäuser unterschlagen".

Den Vorwurf, die Pauschale gefährde Patientenleben, kontert die KV Hessen als "dreist und populistisch". Die Kliniken spielten "mit den Ängsten der Bevölkerung", um "unverschämte Honorarforderungen durchzusetzen". (cw)

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