Ärzte Zeitung online, 17.07.2017

Geriatrie

Mehr Spielraum für Hausärzte, MVZ und BAG

Der Bewertungsausschuss hat das Überweisungserfordernis zur spezialisierten geriatrischen Diagnostik in zwei Fällen abgeschafft: Für geriatrisch qualifizierte Hausärzte und für Berufsausübungsgemeinschaften mit Hausarzt- und Geriater-Qualifikation.

Von Christoph Winnat

Mehr Spielraum für Hausärzte, MVZ und BAG

Hausärzte mit geriatrischer Zusatzqualifikation dürfen bei ihren Patienten jetzt beides machen: Die Abklärung zum weiterführenden geriatrischen Assessments und das Assessment selbst.

© maticsandra/Stock.adobe.com

BERLIN. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde die "spezialisierte geriatrische Diagnostik und Versorgung" in den EBM aufgenommen (Abschnitt 30.13). Jetzt haben sich Kassen und KBV auf zwei wichtige Änderungen verständigt.

Davon profitieren zum einen geriatrisch spezialisierte Hausärzte und zum anderen Berufsausübungsgemeinschaften sowie Medizinische Versorgungszentren, in denen sowohl Hausärzte als auch geriatrisch spezialisierte Vertragsärzte tätig sind.

1. Oktober als Stichtag

Verankert sind beide Änderungen in der Präambel des Abschnitts 30.13. Offiziell in Kraft tritt der Beschluss zum 1. Oktober. Danach

» dürfen Hausärzte, die auch eine besondere geriatrische Qualifikation gemäß Nr. 2 der Präambel vorweisen können, künftig ein weiterführendes geriatrisches Assessment (GOP 30984) bei ihren Patienten selbst erbringen. Die Überweisung durch einen Hausarztkollegen ist dazu nicht länger nötig. Allerdings muss zuvor ein geriatrisch spezialisierter Vertragsarzt die Notwendigkeit des weiterführenden Assessments bescheinigen. Dafür kann der dann die Abklärungspauschale 30981 abrechnen.

» In Berufsausübungsgemeinschaften und Medizinischen Versorgungszentren, in denen sowohl Hausärzte als auch Vertragsärzte mit besonderer Geriatriequalifikation gemäß Nr. 2 der Präambel zum EBM-Abschnitt 30.13 arbeiten, kann das weiterführende Assessment künftig hausintern erbracht werden.

Das ging bisher deshalb nicht, weil Überweisungen innerhalb einer BAG oder eines MVZ nicht möglich sind, für die weiterführende Geriatrie aber die Überweisungsnotwendigkeit besteht.

In der Präambel zu 30.13 wird nun das Überweisungserfordernis auch für BAG und MVZ mit entsprechend qualifizierten Ärzten ausdrücklich aufgehoben.

Nur halbe Pauschale

Allerdings wird in dieser Fallkonstellation nur die halbe Abklärungspauschale bezahlt. Schließlich sei innerhalb einer BAG oder eines MVZ der Abstimmungsbedarf zwischen den Kollegen geringer, begründet die Kassenärztliche Bundesvereinigung den Honorarabschlag.

Demzufolge wird die hausärztliche Abklärung zur weiterführenden Geriatrie (GOP 30980) MVZ- und BAG-intern nur mit 10,21 Euro vergütet, während es dafür bei der praxisübergreifenden Leistungserbringung 20,43 Euro gibt.

Und für die Abklärung durch einen geriatrisch spezialisierten Vertragsarzt (GOP 30981) werden 6,90 Euro gezahlt; praxisübergreifend sind es 13,79 Euro.

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