Ärzte Zeitung online, 23.10.2017
 

Abrechnung

EBM-Honorar für Cannabisverordnung

Der Bewertungsausschuss hat rückwirkend zum 1. Oktober drei EBM-Ziffern zur Abrechnung einer Cannabisverordnung beschlossen. In Summe bringt das Ärzten 27,71 Euro.

Von Christoph Winnat

BERLIN. Ärzte können ab sofort eine Cannabistherapie nach EBM abrechnen: Wie die KBV mitteilt, wurden jetzt drei neue Gebührenordnungspositionen rückwirkend zum 1. Oktober in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab aufgenommen. Vergütet werden damit der Aufwand für die Datenübermittlung zur Begleiterhebung bei der Arzneimittelbehörde BfArM sowie die ärztliche Stellungnahme zur Beantragung einer Cannabis-Verordnung bei der Kasse. Die neuen Ziffern im Einzelnen:

- Die GOP 01460 kann für die Aufklärung des Patienten über die Begleiterhebung der Cannabistherapie beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte angesetzt werden. (28 Punkte, 2,95 Euro)

- Die GOP 01461 honoriert die ärztliche Datenerfassung und Datenübermittlung zur Begleiterhebung mit 82 Punkten (9,70 Euro).

- Mit der GOP 01626 kann die gesetzlich geforderte ärztliche Begründung abgerechnet werden, wenn ein Patient eine Cannabistherapie bei seiner Kasse beantragt.

Alle drei Leistungen werden extrabudgetär vergütet. Die GOP 01460 und 01461 sind nur bis Ende März 2022 gültig, denn dann endet auch die gesetzlich vorgesehene fünfjährige behördliche Therapie-Auswertung. Zudem weist die KBV darauf hin, dass ein Wechsel innerhalb der verschiedenen Cannabis-Darreichungen – von Blüten und Extrakten auf Dronabinol- oder Nabilon-Fertigarzneimittel oder umgekehrt –, als neue Therapie gilt. "Daher kann eine Berechnung je durch die Krankenkasse genehmigter Leistung erfolgen", heißt es.

Hintergrund: Seit 10. März dieses Jahres haben schwerkranke Patienten unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf Cannabinoide. Gesetzlich geregelt ist die Verordnung in Paragraf 31 Absatz 6 Sozialgesetzbuch V. Danach darf Cannabis verordnet werden, wenn gegen die fraglichen Beschwerden keine "allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung zur Verfügung steht oder im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung des behandelnden Vertragsarztes nicht zur Anwendung kommen kann".

Außerdem muss die Behandlung mit Cannabispräparaten "eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome" versprechen. Patienten müssen sich die Cannabis-Verordnung genehmigen lassen. Was die Kostenträger dem Gesetzeswortlaut zufolge "nur in begründeten Ausnahmefällen" ablehnen dürfen. Anträge im Zusammenhang mit einer spezialisierten ambulanten Palliativversorgung müssen binnen dreier Tage beschieden werden. Ansonsten haben die Kostenträger drei bis fünf Wochen Zeit, über einen Antrag zu befinden.

27,71 Euro bringen in Summe die jetzt neu eingeführten EBM-Ziffern zur Cannabis-Verordnung.

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